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Rock ’n’ Roll

Rock ’n’ Roll (kurz für Rock and Roll) ist ein unklar umrissener Begriff für eine US-amerikanische Musikrichtung der 1950er und frühen 1960er Jahre und das damit verbundene Lebensgefühl einer Jugend-Protestkultur. Die meistens (außer in manchen Balladen) im 4/4-Takt gespielte Musik enthält einen deutlichen Backbeat (starker Akzent auf den geraden Zählzeiten zwei und vier).
Außerdem ist Rock ’n’ Roll die Bezeichnung für einen mit dieser Musik verbundenen Gesellschaftstanz, der aus dem Lindy Hop und dem Jitterbug hervorgegangen ist und dessen wesentliche Merkmale die akrobatischen Einlagen sind. Im Gegensatz zur Musik werden im Tanz die ungeraden Zählzeiten (eins und drei) betont.
Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
• 1 Begriff
• 2 Gesellschaftlicher Kontext
• 3 Musikalische Merkmale
• 4 Rhythm & Blues
• 5 Stylemap
• 6 Spielarten des Rock ’n’ Roll
• 6.1 Northern Band Style
• 6.2 Rockabilly
• 6.3 Handjive
• 6.4 Car-Sound
• 6.5 Schwarzer Doowop
• 6.6 Weißer Doowop
• 6.7 New Orleans Sound
• 6.8 Instrumental
• 6.9 Surf/Hotrod
• 6.10 Teenage Rock ’n’ Roll/Highschool
• 6.11 Twist
• 6.12 Andere/Mainstream-Rock 'n' Roll
• 7 Rock`n´Roll Revival / Rockabilly Revival
• 8 Siehe auch
• 9 Weblinks


Begriff
Zunächst ein Slangausdruck für den Beischlaf wurde der Begriff Rock ’n’ Roll als Bezeichnung für eine Musikrichtung angeblich erstmals 1952 vom amerikanischen DJ Alan Freed geprägt. Allerdings tauchten die Begriffe Rock und Rock and Roll schon Jahre vorher in schwarzen Rhythm-&-Blues-Titeln auf, beispielsweise in Eunice Davis' Aufnahme Rock little Daddy von 1951 oder bereits in dem 1934 von den Boswell Sisters aufgenommenen Titel Rock & Roll.
Dennoch bleibt unumstritten, dass es Freed war, der sowohl den Begriff als auch die Musik selbst für eine breite Öffentlichkeit fit machte, so dass Rock ’n’ Roll ab etwa 1955 den Begriff Rhythm & Blues ablöste. Freeds Radioshow Moondogs, in der vor allem schwarzer Rhythm & Blues gespielt wurde, hatte Mitte der 1950er Jahre Kultstatus sowohl bei weißen als auch bei schwarzen Jugendlichen. Viele weiße Jugendliche hatten hier in einer Zeit der Rassentrennung erstmalig die Gelegenheit, afroamerikanische Unterhaltungsmusik intensiv zu hören. Außerdem fungierte Freed als Veranstalter für Livekonzerte und als Entdecker und Förderer von Künstlern wie Chuck Berry, Bo Diddley, Gene Vincent, Frankie Lymon und etliche mehr. So entwickelte sich der Begriff Rock ’n’ Roll, der zunächst nur ein Synonym für Rhythm & Blues war, schnell zu einem eigenständigen Gattungsbegriff und bezeichnete jene neue Musik, in der die damals übliche strikte Trennung zwischen Schwarz und Weiß aufgeweicht wurde.
Heute wird der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch auch auf zeitgenössische Rockmusik angewendet, vor allem im angelsächsischen Sprachraum. Die musikhistorische Definition ist jedoch enger gefasst. Hier ist Rock ’n’ Roll ein Sammelbegriff für diverse Frühformen der Rockmusik, die Mitte der 1950er Jahre in den USA entstanden und in ihrer subkulturellen Funktion Mitte der 60er Jahre von der Beatmusik abgelöst wurden.
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Gesellschaftlicher Kontext
Schon Ende der 1940er Jahre begann in den USA eine Jugend-Protestkultur, die das Underdog-Dasein, Freiheit von bürgerlicher Moral, Drogen und rastlose Mobilität zu ihren Idealen erhob. Diese Bewegung identifizierte sich zunächst nicht über die Musik, sondern über die Beat-Literatur von Autoren wie Jack Kerouac, Filme wie „The Wild One“ oder über Bücher wie „Catcher in the Rye“. Selbst der James-Dean-Film „Rebel Without a Cause“ von 1955 hatte noch keinen musikalischen Rock-’n’-Roll-Bezug, obwohl er ansonsten schon alle Merkmale der Rock-’n’-Roll-Kultur enthielt. Als Musik dieser Bewegung diente zunächst, vor allem bei den Anhängern der Beat-Generation Anfang der 1950er Jahre, der schwarze Bebop-Jazz. Als die Protestbewegung sich weiter ausbreitete, wurde das (von den Eltern häufig verbotene) Hören von Rhythm & Blues populär, der Musik der afroamerikanischen Unterschicht, die weiter unten näher erklärt wird.
Erst der Film „Blackboard Jungle“ von 1955 (in dem es um Jugendkriminalität an Schulen ging) enthielt einen Rock-’n’-Roll-Soundtrack („Rock around the Clock“ von Bill Haley & The Comets) und brachte dadurch den ersten weltweiten Rock-’n’-Roll-Hit hervor. Der explosionsartige Erfolg dieser Musik erklärt sich aus der schon länger vorhandenen Sehnsucht nach einer eigenen Jugendmusik, über die sich die Rebellion gegen die Elterngeneration ausdrücken ließ. Rock ’n’ Roll füllte also ein gesellschaftliches Vakuum und gab einem vagen Lebensgefühl seine Ausdrucksmöglichkeit.
Trotzdem ist der Rock ’n’ Roll nie ein einheitlicher Stil, sondern immer nur ein Sammelbegriff verschiedener Musikarten gewesen. Die Musikszene in den USA war stark regionalisiert, nicht nur, weil das dominierende Massenmedium Rundfunk vorwiegend aus lokalen Stationen bestand. Auch die Plattenindustrie war regional organisiert, die ethnischen Subkulturen hatten ihre geografischen Nischen mit eigenen musikalischen Traditionen, und in den Südstaaten herrschte strenge Rassentrennung. So etablierten sich, je nach Gesellschaftsschicht, Ethnik und geografischer Region, unterschiedliche Musikstile, die alle unter Rock ’n’ Roll einzuordnen sind, weil sie zwei Gemeinsamkeiten vereint: Sie sind alle Ausdruck von Minderheiten und sie wurzeln alle im Rhythm & Blues. Deshalb lohnt es sich, bevor wir die einzelnen Spielarten des Rock ’n’ Roll beschreiben, einen näheren Blick auf diese vielerwähnte Musikrichtung, diesen Ur-Nährboden des Rock ’n’ Roll, zu werfen.
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Musikalische Merkmale
• Die rollende Bassformel in der Unterstimme (ursprünglich vom Boogie Woogie)
• Der harte, aber swingende Beat
• Die kehlig-raue Stimme des Solisten
• Die Bandbesetzung mit Gitarre und Bläsern
• Die 12-taktige Bluesform
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Rhythm & Blues
Die Bedeutung des Begriffs, geprägt Anfang der 1940er Jahre von Jerry Wexler, hat sich bis heute ständig gewandelt. Zunächst nur ein Ersatzwort für „Race Music“, war Rhythm & Blues in den 1940er Jahren die Bezeichnung für sämtliche afroamerikanische Musik außer dem Jazz, also für die Musik der schwarzen Unterschicht Amerikas. In den 1960er Jahren wich der Begriff dem Marktnamen Soul, und heute bezeichnet man mit „R&B“ eine Form zeitgenössischer, schwarzer Popmusik. Rhythm & Blues ist also alles andere als ein einheitlicher Begriff für eine einheitliche Musikrichtung.
Ende der 1940er Jahre entwickelte sich im Zuge der Urbanisierung der schwarzen Landbevölkerung ein einheitlicher, großstädtischer Stil heraus. Viele Rhythm & Blues Combos waren zunächst nichts anderes als verkleinerte schwarze Bigbands. Häufig waren es Sextette oder Quintette. Die kleineren Besetzungen ergaben sie auf Grund des Kostenvorteils gegenüber den Bigbands, die für ärmere Clubs nicht bezahlbar waren. Die geringere Lautstärke wurde durch die damals neue elektrische Gitarre kompensiert. Weiterhin kristallisierte sich ein Pianostil heraus, bei dem die linke Hand boogieartige Bassbegleitungen, die Rechte schnelle triolisch geschlagene Doppelgriffe spielte. Anders als im Swing trat der solistische Anteil der Bläser zurück. Besonders das Altsaxofon fungierte zunehmend als Rhythmusinstrument und spielte Shuffelgrooves. Reine Instrumentalstücke waren selten. Sänger und Sängerinnen - der Frauenanteil im Rhythm & Blues war deutlich höher als im Rock ’n’ Roll - sangen häufig mit gospelartigen Verzierungen. Nicht wenige Rhythm & Blues Texte spielten mit sexuellen Anspielungen und Zweideutigkeiten.
Rhythm & Blues galt für das etablierte Amerika als anzüglich und vulgär, schlicht als inakzeptable Untergrundmusik. Indes gelang es dem Rhythm & Blues, eine eigene Musikindustrie zu etablieren, die auch größere Labels wie Atlantic Records unterhalten konnte, wo der Produzent Jerry Wexler diese Musik wie kein zweiter förderte.
Wenn auch der Rhythm & Blues nicht uneingeschränkt unter Rock ’n’ Roll einzuordnen ist, so teilt er doch mit diesem eine große Schnittmenge, in die Interpreten wie der frühe Ray Charles, Bo Diddley, natürlich auch Chuck Berry, Fats Domino, Little Richard, LaVern Baker und viele andere hineingehören. In Städten wie Chicago oder New Orleans wurden dementsprechend die beiden Begriffe „Rock ’n’ Roll“ und „Rhythm & Blues“ auch lange als Synonyme verwendet. Und selbst denjenigen Rock-’n’-Roll-Spielarten, die eindeutig nicht mehr zum Rhythm & Blues gehören, von Rockabilly bis zum Highschool-Rock-’n’-Roll, diente der Rhythm & Blues als wesentlicher Inspirationspool. Man kann also mit Recht behaupten, dass der Rock ’n’ Roll eine Weiterentwicklung, häufig auch eine „Verweißung“ des Rhythm & Blues war, mit der nur Teile der schwarzen Jugend sich identifizieren konnten.
Besonders frustrierend wirkte dabei der Umstand, dass weiße Künstler wie Presley mit schwarzen Coverversionen Millionen verdienten, während Künstlern wie Big Mama Thornton (Erstinterpretin von „Hound Dog“ vom Autorenduo Leiber&Stoller) der Erfolg beim Massenpublikum versagt blieb. Und selbst die erfolgreichen schwarzen Musiker wie Little Richard und Bo Diddley wurden vielfach um den Ertrag ihrer Leistung betrogen (Bo Diddley verdiente an seinen großen Hits in den 1950er Jahren exakt 0,-- US Dollar!)
Nur leicht zeitversetzt zum Siegeszug des Rock ’n’ Roll wurde daher von schwarzen Musikern und Managern der gezielte Gegenversuch gestartet, den Rhythm & Blues zu kommerzialisieren, ohne ihn dabei aus schwarzen Händen zu geben. Unter dem Marktnamen Soul (Musiker sprachen in der Regel weiter von Rhythm & Blues) wurden neue schwarze Talente auf hohem Niveau ausgebildet und dann breit vermarktet. Instrumental, tänzerisch, kompositorisch und vor allem stimmlich erreichte der Rhythm & Blues in der Soul-Ära seine höchste Blüte. Tatsächlich gelang es mit dem Soul, einen weltweiten Boom auszulösen, der auch das zahlungskräftige weiße Publikum erfasste. Frische Talente mit gewaltigen Stimmen stürmten die Charts, die dank der kommerziellen Konzeption noch heute ein Begriff sind (Martha Reeves, Aretha Franklin, Ike & Tina Turner, Stevie Wonder, Otis Redding und viele mehr). Zwar handelte es sich bei diesem kommerzialisierten Rhythm & Blues um Populärmusik, doch wurden die schwarzen Wurzeln wie Blues und Gospel keinesfalls verwässert, sondern bewusst reaktiviert. Schließlich verfolgte man das Ziel, eine für Weiße schwer kopierbare Musik zu kreieren. Im Zentrum dieser Entwicklung stand das Motown Label. In den 1970er Jahren schließlich verblassten die originär schwarzen Elemente wieder, und die schwarze Popmusik wurde zur Disco-Musik. In den 1980er Jahren stellten schwarze Künstler wie Whitney Houston ihre vorzüglichen Gesangstimmen in den Dienst von eher belangloser Popmusik, die sie damit zu einem gewissen Grad aufwerteten. Der Begriff Soul kam wieder ins Gespräch. Mit Rhythm & Blues hatte diese Musik jedoch nicht mehr viel zu tun.
Vertreter des klassischen Rhythm & Blues sind: Wynonie Harris, Big Joe Turner, Etta James, Clyde McPhatter, Bobby Blue Bland, LaVern Baker
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Stylemap
Die „Stylemap“ zeigt Schnittmenge und Berührungspunkte von Rhythm & Blues (rot) und Rock ’n’ Roll (gelb), sowie die wichtigsten Stile und Unterstile des Rock ’n’ Roll. Wollte man allerdings sämtliche Querverbindungen und gegenseitigen Inspirationen auflisten, würde eine solche Grafik zu einem noch unentwirrbareren Knoten werden, als sie es hier schon ist. Deshalb sind hier viele Aspekte nicht berücksichtigt, unter anderem der, dass die meisten Künstler im Laufe ihres Schaffens nicht statisch in einer stilistischen Ecke bleiben. Als Beispiel sei Ray Charles genannt, der genau genommen an fast allen Ecken der Grafik auftauchen müsste. Auch Hank Ballard dürfte eigentlich nicht nur unter Twist aufgelistet werden, den er erst in der späteren Phase seiner Karriere erfand. Außerdem trägt die Abbildung einer wichtigen Entwicklung nicht Rechnung, in deren Zuge sich ab etwa 1958 viele oder alle Rock-’n’-Roll-Spielarten zu einer Mainstreamform vermischten.
Kategorien und Stilschubladen haben zudem immer einen akademischen Aspekt, der die Musik nicht hinreichend erklären kann. Man sollte also diese Kategorien nicht als in Stein gemeißelt betrachten und nicht vergessen, dass es gerade die Überwindung von Schubladen war, die den Rock ’n’ Roll erst möglich machte.

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Spielarten des Rock ’n’ Roll
(Zu den einzelnen Spielarten siehe auch die jeweiligen Wikipedia-Links mit z. T. umfangreicheren Artikeln)
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Northern Band Style
Um 1954 im Norden der USA entstandene weiße Musikrichtung, die den Bigbandsound mit markantem 4/4-Offbeat anreicherte, mit Boogielinien versah und in kleinerer Besetzung wiedergab. Sie wird wegen des "geslappten" Kontrabasses gelegentlich mit seinem Südstaatenpendant, dem Rockabilly verwechselt, enthält aber ein dominanteres, zuweilen solistisches Schlagzeug und legt außerdem einen Schwerpunkt auf die im Rockabilly untypischen Blechbläser. In der Performance waren die synchronen Schwenkbewegungen der Instrumente typisch, die auffällig gemusterten Einheitsanzüge der Musiker und rhythmische Zwischenrufe ("crazy man, crazy!") - alles Elemente aus der Bigband-Kultur. Gespielt wurden Coverversionen schwarzer Rhythm & Blues Titel, aber auch neue Kompositionen. Wichtiges Instrument war neben Kontrabass und Blechbläsern auch die E-Gitarre, die sich durch schnelle, schwierige Läufe vom übrigen Rock ’n’ Roll abhob.
Vertreter: Bill Haley & The Comets, Freddy Bell & The Bellboys
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Rockabilly
Um 1954 in den Südstaaten der USA entstandene weiße Interpretation des Rhythm & Blues, durchmischt mit Elementen der Country- und Hillbillymusik. Als Erstling des Rockabilly gilt der von Elvis Presley im Sommer 1954 eingespielte Titel „That's Allright, Mama“. Produzent war der Gründer des Sun Labels Sam Phillips, der schon Anfang der 1950er Jahre als Produzent von "Big" Joe Turner einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Beale-Street-Rhythm & Blues geleistet hatte.
Zunächst mit Minimalbesetzung gespielt („geslappter“ Kontrabass, E-Gitarre, Gesang), kamen später auch Schlagzeug und Piano zum Rockabilly. Ausgehend von Memphis, Tennessee, verbreitete sich der Rockabilly durch die intensive Tourtätigkeit der Musiker von Sun Records schnell über den gesamten Süden und inspirierte Hunderte von Musikern, den Stil zu kopieren. Nur wenigen gelang es dabei, über eine bloße Sun-Kopie hinauszugehen und individuelle Rockabilly-Stile zu entwickeln, wie z. B. Gene Vincent und Buddy Holly. Ab 1957 löste sich der Rockabilly in einer Art Mainstream-Rock-’n’-Roll auf, die meisten Interpreten jedoch wandten sich der reinen Countrymusik zu. Rockabilly war zugleich die erste Spielart des Country-Rock.

Vertreter: der frühe Elvis Presley, Carl Perkins, Johnny Burnette Trio, Eddie Cochran, Gene Vincent, der frühe Roy Orbison
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Handjive
Handjive (auch "Chicago-Sound" oder "Bo-Diddley-Sound") ist eine ursprünglich schwarze Spielart des Rock ’n’ Roll und entstand Ende der 1940er Jahre in Chicago als Unterart des Rhythm & Blues. Wesentliche Merkmale sind die stark im Vordergrund stehenden Perkussionsinstrumente (Maracas), die einen tranceartigen, ostinaten Groove erzeugen und sich zeilenweise mit dem Gesang abwechseln, dessen Melodie im „Frage-Antwort-Schema“ aufgebaut ist.
Der Handjive ist ursprünglich eine reine Straßenmusik gewesen, zu der die Kinder in den Ghettos der Southside von Chicago Abzählreime und Abklatschverse mit manchmal schmutzigen Texten sangen. Dabei wurden die Hände in bestimmten Rhythmen gegeneinander oder gegen eigene Körperteile geschlagen. Die Tradition des Handjive geht auf den "Hambone" zurück, jene Körperpercussion, mit der die schwarzen Sklaven des Südens die ihnen verbotene, Botschaften übermittelnde Trommelmusik ersetzten.
Das Verdienst, den typischen Groove erstmals auf Platte gebannt zu haben, kommt dem chicagoer Straßenmusiker Sammy McGier zu. Seine Band "Hambone Kids" spielte Anfang der 1950er Jahre für das Okeh-Label den Titel "Hambone" ein, der bereits jenes legendäre Lick enthält, das man später "Bo-Diddley-Lick" nennen sollte. Bo Diddley schließlich, selbst ehemaliger Straßenmusiker der Southside, debutierte 1955 mit seinem Hit "Bo Diddley" (der ursprüngliche Text dieses Songs, der eigentlich "Uncle John" hieß, war dem Chess-Label zu anzüglich, weshalb Diddley ihn entschärfte) und erreichte auf Anhieb Platz 1 der Rhythm & Blues Charts. Seine elektrische Gitarre war dabei leicht verzerrt, ein für das damalige Publikum völlig unbekannter, neuer Sound. Bald begannen überall in den USA Künstler, den Groove zu kopieren: Buddy Holly mit "Not Fade Away" und „Bo Diddley“, Johnny Otis mit „Willie and the Handjive“. In den 1960er Jahren übernahmen zahlreiche britische Bands wie die Rolling Stones und die Animals den Bo-Diddley-Sound. Gerade die Stones klangen in ihren frühen Jahren manchmal wie eine Bo-Diddley-Coverband.
Vertreter: Bo Diddley, Johnny Otis
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Car-Sound
Als "Car-Sound" bezeichnete man in den 1950er Jahren die Musik des schwarzen Gitarristen und Sängers Chuck Berry. Den Beginn machte 1955 die Chess-Veröffentlichung "Maybellene", ein Titel, in dem es um eine Art Autorennen geht. Berry selbst war Automechaniker und thematisierte mit seiner fast weiß klingenden Stimme den amerikanischen Autokult der 50er Jahre. Die Texte Berrys, der in seiner Jugend Autos geknackt hatte, um Spritztouren zu unternehmen, erzählen von rastloser Mobilität quer durch die USA und erinnern an Jack Kerouacs Kultroman "On The Road". Entscheidend für diesen "Chicago-Rock ’n’ Roll" aber ist eine völlig neue Verwendung der elektrischen Gitarre, die mit einer leichten Röhrenverzerrung etwas blechern klingt und bei Berrys zweisaitigen Bendings an Autohupen erinnert. Die Rhythmusbegleitung spielte Berry mit Abschlägen auf den abgedämpften Basssaiten. Berry ist einer der meistgecoverten Rockmusiker. Seine Licks inspirierten weite Teile der Beatmusik in den 1960er Jahren und gehören bis heute zum Standardrepertoire vieler Gitarristen und Schülerbands.
Berrys Kollege, der ebenfalls bei Chess unter Vertrag stehende Bo Diddley, griff den Car-Sound auf und spielte ebenfalls ein paar Car-Titel ein ("Roadrunner"). Der Car-Sound aus den Autoproduktionsstädten des Nordens inspirierte auch Surf-/Hotrod-Musiker aus Kalifornien, dem "Autoland". Vertreter: Chuck Berry, Bo Diddley
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Schwarzer Doowop
Doowop ist die Bezeichnung für eine Rhythm & Blues Unterart, die einen besonderen Schwerpunkt auf das mehrstimmige Gesangsarrangement legt. Der Stil entwickelte sich ab 1954 in den schwarzen Vierteln amerikanischer Großstädte, wo er von unbekannten A-cappella-Bands vor allem unter Brücken, in U-Bahnhöfen und Greyhound-Wartehallen gesungen wurde. So ist Doowop eng verbunden mit der besonderen Akustik öffentlicher Räume. Balladen wechselten sich mit schnellen Nummern ab. Ab 1956 schafften es einige ehemalige Straßenbands in die Rhythm & Blues Charts. Der reine A-cappella-Stil der Straße wurde dabei nur selten beibehalten. In der Regel wurde bei Platteneinspielungen sanfte Instrumentalbegleitung in typischer Rhythm & Blues Besetzung (Saxophon, Piano) beigefügt. Auch Gimmicks wie Glockenspiele waren bei Doowop-Balladen typisch. Vertreter: The Penguins, The Moonglows, Frankie Lymon & the Teenagers, The Platters
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Weißer Doowop
Ende der 1950er Jahre begannen junge, weiße Amerikaner in den Großstädten, den Doowop zu kopieren. Besonders taten sich dabei Nachkommen italienischer Einwanderer hervor; im Zentrum der weißen Doowop-Bewegung lag die New Yorker Bronx. Die derben sexuellen Anspielungen in den Texten der schwarzen Vorbilder wie Hank Ballard wurden allerdings nicht übernommen und durch harmlosere Inhalte aus dem Teenageralltag ersetzt. Ein wichtiges Element war die hohe Falsettstimme des Leadsängers – ein Effekt, der später von der Surfmusik aufgegriffen wurde. Der weiße Doowop wurde zur Identifikationsmusik einer ganzen Jugendgeneration der italo-amerikanischen Minderheit in den USA. Die damalige Atmosphäre in der italienischen Szene der Bronx wurde 1979 in dem Film "The Wanderers" gelungen rekonstruiert.
In einer Zeit, als Rock ’n’ Roll langsam seine Schockwirkung einbüßte und zur allseits akzeptierten Modeerscheinung wurde, wurden weiße Doowopkünstler außerdem bei der weißen Mittelklasse-Jugend sehr beliebt. Der weiße Doowop wurde so zum Vorläufer des Surf- und des Highschool-Rock-’n’-Roll. Vertreter: Dion DiMucci
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New Orleans Sound
Eine schwarze Spielart des Rock ’n’ Roll/Rhythm & Blues, dessen wesentliches Merkmal das in den hohen Lagen triolisch gespielte Piano ist. Der New Orleans Sound reicht in die frühen 1950er Jahre zurück; als echter Rock ’n’ Roll trat er um 1955 mit Fats Domino und dem aggressiveren Little Richard in die Rockgeschichte ein. Die Tradition dieser Musik wird ohne Unterbrechung bis in die Gegenwart hinein gepflegt und hat Interpreten wie Dr. John und Prof. Longhair hervorgebracht. Vertreter: Fats Domino, Little Richard, Huey "Piano" Smith, Smiley Lewis
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Instrumental
Im Westen der USA wurde 1957 eine Gitarren-Instrumental-Tradition begründet, die schnell zahlreiche Nachahmer fand. Im Studio von Lee Hazlewood in Phoenix, Arizona, und später in Los Angeles wurden Titel mit den Gitarristen Al Casey und Duane Eddy eingespielt, von denen einige zu Hits wurden. Die Gitarre war dabei leicht verzerrt, dazu spielte ein Saxofon simple Soli. Der Hall in den Aufnahmen kam durch die natürliche Akustik des metallenen Getreidespeichers zustande, in dem sich Hazlewoods Studio befand (einer der Studiohilfen Hazlewoods war übrigens der junge Phil Spector). Der „Twang-Sound“ Duane Eddies fand im gesamten Westen der USA zahlreiche Nachahmer und beeinflusste eine Reihe von Musikern auch in Europa, z. B. die Begleitband von Cliff Richard, die „Shadows“. Vertreter: Duane Eddy, The Ventures, The Shadows
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Surf/Hotrod
Surfmusik ist der einzige Zweig des klassischen Rock ’n’ Roll, der weit in die 1960er Jahre hineinragte und eine Art amerikanische Parallele zur britisch dominierten Beatmusik bot.
Im Allgemeinen wird mit dem Begriff „Surfmusik“ der Sound der Beach Boys oder des Duos Jan & Dean assoziiert. Indes gab es daneben einen deutlich aggressiveren, instrumentalen Rock-’n’-Roll-Stil, der den Namen „Surfmusik“ für sich beanspruchte. Dick Dale, der Erfinder dieser Spielart (heute "Surf Rock" genannt), debutierte, genau wie die Beach Boys, im Jahre 1961 mit seiner ersten Single „Let's Go Trippin'“. Allerdings behauptet er, den Begriff "Surf" schon in den 1950er Jahren auf seine Musik angewendet zu haben. Welches nun die „wahre“ Surfmusik ist, die Rockform oder die Popform, ist eine ebenso strittige wie müßige Frage.
In der rockigen Instrumentalform wurden sowohl der „Twang“-Sound als auch das Saxofon der Hazlewood-Produktionen aus Phoenix und Los Angeles übernommen (siehe Absatz "Instrumental"). Manchmal wurden die Melodielinien nach südkalifornisch-mexikanischer Tradition von einer Trompete gespielt. Als Hauptinstrument dominierte die Stratocaster, jene legendäre Gitarre des kalifornischen Herstellers Leo Fender, von deren Tremolohebel im Surfrock reichlich Gebrauch gemacht wurde. Die charakteristische, mitunter zerstörerisch krafvoll angeschlagene Surf-Gitarre wurde außerdem mit einem Bandecho eingespielt, was die beliebten Glissando-Riffs auf den Basssaiten etwas glättete, mit denen die rasante Wellenfahrt des Surfbrettes musikalisch umgesetzt wurde. Dick Dale stand in engem Kontakt mit Leo Fender, der in Abstimmung auf Dales Spielweise seine Gitarrenverstärker der späten 1950er und frühen 1960er Jahre anpasste. Dem heutigen Publikum dürfte der Sound Dick Dales, der lange Zeit nahezu vergessen war, vor allem durch die Soundtracks der Filme von Quentin Tarantino bekannt sein, durch die ein Revival des härteren Surfsounds eingeleitet wurde.
Den Beginn des bekannteren „anderen“ Surfstils, einer gefälligen, mehrstimmigen Variante der Surfmusik, markiert der Beach-Boys-Titel „Surfin'“ von 1961 (Platz 75 in den Charts), der sich musikalisch eng am weißen Doowop ausrichtete. Aber schon die folgenden, bei Capitol veröffentlichten Titel der Band, ließen, neben Einflüssen von Chuck Berry und dem Doowop, einen sehr eigenständigen Stil erkennen. Ein wesentliches Merkmal der mehrstimmigen Surfmusik sind die Textinhalte, die meistens das Leben in Kalifornien verherrlichen. Neben dem Thema „Surfen“ ist dabei das Thema "frisierte Autos" (Hotrod) auffallend häufig. Die starke Präsenz des Autokultes in der Surf-/Hotrod-Musik erklärt auch die gelegentlichen Anleihen bei Chuck Berry, dem Begründer des „Car-Sounds“ (vergleiche hierzu Beach Boys: „Surfin USA“ mit Chuck Berry: „Sweet Little Sixteen“).
Mit wachsender Popularität halluzinogener Drogen in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre machte - ebenso wie die britisch dominierte Beatmusik - auch die Surfmusik eine Metamorphose ins Psychedelische durch. Die Beach Boys produzierten äußerst kreative und künstlerische Alben, die allerdings mitunter etwas überladen wirkten und die Bodenhaftung vermissen ließen. So interessant diese Spätform des Surf war, mit der geradlinigen Einfachheit des Rock ’n’ Roll hatte sie nur noch wenig zu tun, weshalb sie hier nicht weiter behandelt wird.
Beide Richtungen des Surfsounds, sowohl der instrumentale Surfrock als auch die mehrstimmige Popform, begründeten die Tradition der Westcoast-Rockmusik. Bands wie die Trashmen und später auch die Ramones, die gesanglich zunächst an die Beach Boys erinnerten, versahen die Musik mit einer aggressiven, anarchistischen Attitüde und bereiteten den Weg für den Punk. Die Studioarbeit der späten Beach Boys setzte Maßstäbe für anspruchsvollere Popproduktionen der 1970er Jahre, etwa die ersten Alben der schwedischen Popband Abba.
Vertreter: The Beach Boys, Jan & Dean, Dick Dale & The Deltones, The Rip Chords
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Teenage Rock ’n’ Roll/Highschool
Ende der 1950er Jahre wurde von der Unterhaltungsindustrie eine gezähmte Form des Rock ’n’ Roll konzipiert, die vor allem auf das sehr junge, weiße Mittelklassepublikum ausgerichtet war. Die Interpreten wirkten sauber und „elternkompatibel“. Jeans oder Lederjacken wurden gemieden und durch Strickwesten, Polohemden und Krawatten ersetzt. Viele dieser „Teen-Idole“ wurden ausschließlich nach ihrem Äußeren gecastet und wirkten wie domestizierte Klone von Elvis Presley. Ihre z. T. mäßigen Sangeskünste wurden dann, wie im Falle von Fabian, durch intensive, z. T. silbenweise Schnittarbeit im Studio ausgeglichen. Einige wurden auch als "Schauspieler" vermarktet und belegten Hauptrollen in B-Movies. Eine wesentliche Rolle für diese Entwicklung spielte die Dick Clark Show American Bandstand, eine landesweit ausgestrahlte Fernsehshow, in der die Highschool-Stars promotet wurden.
Es ist strittig, ob man den Teenage Rock ’n’ Roll wirklich als echten Rock ’n’ Roll bezeichnen soll, letztlich ist dies eine Frage von Definitionen. Nach einer weit verbreiteten Auffassung ist das Phänomen Teenidol nur der Versuch des Establishments, den Rock ’n’ Roll zu integrieren, zur stubenreinen und massenkompatiblen Ware zu machen und damit sein Ende zu besiegeln.
Vertreter: Pat Boone, Paul Anka, Connie Francis, Frankie Avalon, Fabian
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Twist
Bezeichnung für eine späte Spielart des Rock ’n’ Roll und den dazugehörigen Tanz, der etwa zwei Jahre lang in den USA und Europa populär war. Der Tanz erweckte einiges Aufsehen, weil er nicht mehr paarweise, sondern allein getanzt wurde. Er leitete damit die bis heute in Diskotheken übliche Tanzweise ein.
Musikalisch brachte der Twist in Zeiten des seichten Highschool-Rock-’n’-Roll eine Wiederbelebung der Ursprünge aus dem Rhythm & Blues und war daher so etwas wie ein erstes Rock-’n’-Roll-Revival. Als „Erfinder“ des Twist gilt weltweit der in der Dick-Clark-Show promotete Chubby Checker. Was die charakteristischen Tanzbewegungen betrifft, ist dies sicher richtig. Indes war es eigentlich der Rhythm & Blues Musiker Hank Ballard, der die Titel „The Twist“ und „Let's Twist again“ schrieb und aufnahm („The Twist“ wurde erstmals 1958 von Ballard eingespielt). Jedoch wurde wegen eines Streits mit Dick Clark (es ging um die Frage, ob Ballards Backupband „The Midnighters“ auftreten durften oder nicht) ein geplanter Auftritt von Ballard gestrichen. Als Lückenfüller wurde der bis dahin nicht bekannte, etwas füllige Checker gewählt, der „The Twist“ 1959 auf den Markt brachte und den Titel dank regelmäßiger Auftritte bei Dick Clark 1960 auf Nummer 1 der Charts platzieren konnte. Mit einer erneuten Platzierung in den Charts ein Jahr später (wiederum auf Platz 1) begann dann der weltweite Siegeszug des Twist, begleitet von einer bis dahin einmaligen Merchandise-Maschinerie. Vertreter: Hank Ballard, Chubby Checker
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Andere/Mainstream-Rock 'n' Roll
Neben den oben genannten wichtigsten Spielarten des klassischen Rock ’n’ Roll gab es noch eine Anzahl von lokalen Stilen, häufig mit stark folkloristischem Einschlag. Wenige davon brachten überregionale Erfolge hervor, wie z. B. die Titel von Ritchie Valens, dem wichtigsten Vertreter eines Latino-Stiles, der im Raum Los Angeles, Süd-Texas und New Mexico unter der diskriminierten spanischsprachigen Bevölkerung verbreitet war und z. T. auch in spanischer Sprache gesungen wurde.
Im Mississippi-Delta wiederum waren es Musiker der franko-kanadischen Minderheit aus den Sumpfregionen Louisianas, den "Cajuns", die ihre traditionelle Fiddle- und Akkordeonmusik ab etwa 1957 mit dem Rhythm & Blues und mit dem Rock ’n’ Roll verbanden. Überregionale Hits waren dieser äußerst lebendigen und vielfältigen Cajun-Rock Szene leider nicht beschieden.
Die populäreren Rhythm & Blues Musiker aus New Orleans beeinflussten wiederum die Musikszene auf Jamaica, wo man die US-Radiostationen aus Louisiana empfangen konnte. Auf diese Weise entstand in den 1950er Jahren eine Mischung aus New Orleans-Rhythm & Blues und jamaikanischer Folklore, wie dem Mento. Aus dieser Mischung entwickelte sich Anfang der 1960er Jahre dann der Ska und später der Reggae.
Auch die sogenannte "Calypso-Musik" sei hier erwähnt, die Mitte der 1950er Jahre von Harry Belafonte erfunden wurde. Belafonte stammte eigentlich aus New York City, und sein Karibik-Akzent war nicht echt. Aber er bewies ein feines Gespür für den Markt, der in den 1950er Jahren in einer Art erster "Ethno-Welle" nach Südseeromantik und Exotischem verlangte. Dies beschied seinem 1956 veröffentlichten Debut-Album "Calypso" einen sensationellen Erfolg. Seine Musik ist, wenn überhaupt, eher in die Pop- und Unterhaltungs-Ecke des Rock ’n’ Roll einzuordnen.
Schließlich setzte ab etwa 1957 mit der massenmedialen Verbreitung der verschiedenen regionalen Rock-’n’-Roll-Stile ein Prozess der gegenseitigen Beeinflussung ein. Die Konturen der regionalen Stile verwischten zusehends. Die so entstandene Mainstreamform des Rock ’n’ Roll verband nicht selten Elemente von zwei, drei oder mehr verschiedenen Spielarten. So vermischten Gene Vincent and the Bluecaps ihren Rockabilly bruchlos mit Elementen aus dem DooWop, Buddy Holly, ursprünglich im Texas-Rockabilly zu Hause, fügte seiner Musik neben DooWop-Elementen auch noch Chicago-Grooves à la Bo Diddley hinzu. Schließlich sind viele Rock-’n’-Roll-Interpreten der "zweiten Stunde", Interpreten also, die erst ab 1957 in die Öffentlichkeit traten, nicht mehr eindeutig einer der Rock-’n’-Roll-Spielarten zuzuordnen. Es sind Interpreten des Mainstreams.
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Rock`n´Roll Revival / Rockabilly Revival
Anfang der 1960er. Elvis hörte auf, Rock`n´Roll zu spielen und ehemalige Rockabilly / Rock`n´Roll- Bands stiegen wieder auf Country um. Die Beatles traten ins Rampenlicht. Das sollte eigentlich das Ende des Rock`n´Rolls sein (Buddy Hollys Tod 1959 wird auch als der "Tag, an dem die Musik starb" bezeichnet). 1965 war der Rock`n´Roll am absoluten Tiefstand. Nur wenige Clubs und Bars spielten noch Rock`n´Roll.
Ende der 1960er/Anfang der 1970er. Bill Haleys "Shake, Rattle And Roll" kam wieder in die britischen Charts. Plötzlich war es wieder "hip", alte Teddy-Boy-Klamotten zu tragen, und sämtliche Clubs spielten Rock`n´Roll. Viele Bands ahmten die alten "Helden" der 1950er nach und spielten den Rock`n´Roll. Shakin Stevens & the Sunsets kam in den Charts. Das war der Beginn einer neuen Rock`n´Roll Generation. Dies wird als "Rock`n´Roll Revival" bezeichnet.
Mitte der 1970er. Bands wie Crazy Cavan oder "Matchbox" veränderten den alten Spiel-Stil des Rock`n´Rolls und kreierten ihren eigenen. Die Gitarre trat mehr im Vordergrund auf. Der Rhythmus wurde schneller. 50% aller Songs beschäftigten sich vom Inhalt mit der alten Teddy-Boy-Szene aus England. Diese neue Rock`n´Roll Spielweise nennt man auch "Teddy Boy Rock`n´Roll". Sie findet heute immernoch zahlreiche Anhänger, wie z.B. die deutsche Band "Foggy Mountain Rockers".
Anfang der 1980er. Plötzlich trat eine Band auf, die Musikgeschichte schrieb, nämlich die Stray Cats. Sie coverten alte Rockabilly-Klassiker (z.B. "Baby Blue Eyes" von Johnny Burnette) und spielten eigene. Sie veränderten den ursprünglichen Rockabilly aus den 1950ern und spielten alte Klassiker mit ihrem eigenen Stil. Diese neue Rockabilly-Spielart wird heute auch als "Neo Rockabilly" bezeichnet. Das Auftreten des Neo Rockabilly durch die Stray Cats bezeichnet man auch als "Rockabilly Revival".
Erst durch den Rock`n´Roll Revival und Rockabilly Revival fingen Bands wieder an, Rock`n´Roll und Rockabilly zu spielen.
Neo Rockabilly Bands: Stray Cats, Rockabilly Mafia
Teddy Boy Rock`n´Roll: Crazy Cavan, Matchbox, Teencats
Als "Authentic Rockabilly" bzw. "Authentic Rockabilly" wird die Musikrichtung beschrieben, die sich streng an den Stil der 1950er anhängt. Viele bezeichnen den "Teddy Boy Rock`n´Roll" außerdem noch als "British Rockabilly". Der Teddy Boy Rock`n´Roll ist in der Rockabilly-Szene nur in kleinerem Umfang beliebt. Neue Bands wie Foggy Mountain Rockers, die den "Neo Teddy Boy Rock`n´Roll" (neue Spielweise des alten Teddy Boy Rock`n´Rolls) spielen, sind dagegen der letzte Schrei.
Außerdem wurde durch den Rockabilly-Revival eine weitere neue Stilrichtung erfunden, nämlich "Psychobilly", eine Mischung aus "Punk" und "Neo Rockabilly" (bzw. je nach Bands auch Einflüssen von 50s Rockabilly Bands). Bands: Meteors, Nekromantix... Neben dem Psychobilly sind noch weitere Stilrichtungen des Neo Rockabilly enstanden: Hellbilly, Punkabilly, Alkabilly.
Anhänger und Liebhaber des alten, klassischen Rock`n´Roll und klassischen Rockabilly der 1950er verspotten und verachten die neu entstandenen Richtungen wie Teddy Boy Rock`n´Roll, Neo Rockabilly, Psychobilly usw.
In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends ist vor allem in Europa, aber auch in den USA und Australien eine neue Richtung innerhalb des Rock 'n' Roll hinzugekommen. Im Gegensatz zum Teddyboy Rock 'n' Roll zielt der Rockin' & Shakin' Cartoon Pop (R&S) auf eine Massentauglichkeit ab und spricht vor allem jüngeres, bewebungswilliges Publikum an. Eine Musik, die in den 1970er Jahren eher etwas für kleine Zielgruppen war, wird so einer breiten Hörerschicht zugänglich gemacht.
Musikalisch orientiert sich Rockin' & Shakin' Cartoon Pop am traditionellen Rock 'n' Roll der 1950er Jahre und am Blues, vereint aber auch Einflüsse des Teddyboy Rock 'n' Roll mit Glamrock-Elementen und dem 1980er-Chartblocker-Sound von Shakin' Stevens. Im Kontrast allerdings wartet R&S immer wieder mit pumpendem Piano und deftiger Gitarre auf und legt überdies Wert auf den Unterhaltungsfaktor. Musik wird nicht nur gespielt sondern in sehr eigener, meist humorvoller Form und mit neu komponierten Songs dargeboten.
Vertreter dieser neuen Strömung innerhalb des Rock 'n' Roll sind vor allem Big Bad Shakin' aus Deutschland, aber auch die Seatsniffers (Belgien) und die Blasters (USA) fallen in diese Kategorie.


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