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Romantik / Kulturgeschichte

Der Begriff Romantik stammt von „in lingua romana“, in romanischer Sprache, also in den entsprechenden Ländern in der Volkssprache verfassten Schriften. Sie bildeten den Gegensatz zu den zuvor üblichen, in „lingua latina“ (Latein) geschriebenen Schriften. Aus "lingua romana" entstand der Ausdruck „Roman“, der aus dem Französischen auch zu uns kam und zu romantisch wurde.

Romantik bedeutet somit Abwendung von der Antike und von klassischen Vorbildern. Das heißt, romantische Autoren erschließen sich Themen aus ihrer eigenen Kultur und Geschichte und wenden sich ab von klassischen Formen, was die Vorliebe für fragmentarische Schreibweise erklärt. Die Hinwendung zur eigenen Kultur bedeutet zugleich eine stärkere Hinwendung zur Sagen- und Mythenwelt des Mittelalters.

Die Vertreter der Klassik fühlten sich vor allem durch die Zeitschriften der Romantiker massiv angegriffen und bezeichneten deren Literatur als fantastisch oder sogar als krankhaft.

Phasen der Romantik

Allgemein unterscheidet man zwischen Frühromantik (ca. 1795–1804), Hochromantik (ca. 1804-1815) und Spätromantik (ca. 1815–1848). Allerdings verliefen diese Phasen nicht in allen Kultursparten völlig synchron; die Spätromantik in der Musik zieht sich beispielsweise bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Die klassische Gitarre war nie ein Instrument der Avantgarde, ihre wichtigsten Komponisten blieben bis weit in das 20. Jh. einer romantischen Schreibweise treu. Von 1860 bis 1910 werden Barcelona und Paris Zentren für die Gitarre. In Barcelona begegnen sich Julián Arcas (1832-1882), José Ferer y Esteve (1835-1916), Francisco Tarrega (1852-1909), Antonio Jiménez Manjón (1866-1919) und Miguel Llobet (1878-1938). Auch J.K. Mertz (1806-1856), G. Regondi (1822-1872) und Agustin Barrios (1885-1944) sind wichtige romantische Komponisten für Gitarre.

Beeinflusst durch die Romantik ist die Jugendbewegung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand. In neuerer Zeit finden sich einzelne Charakteristika auch in der Dark Wave- oder Gothic-Subkultur, ohne dass in beiden letzt genannten Kulturen ein direkter Nachfolger der Romantik zu sehen wäre.


Hintergrund

Der Romantiker geht aus von einem Bruch, der die Welt gespalten habe in die Welt der Vernunft, der "Zahlen und Figuren" (Novalis), und die Welt des Gefühls und des Wunderbaren. Treibende Kraft der deutschen Romantik ist eine Sehnsucht nach der Heilung der Welt, nach der Zusammenführung von Gegensätzen zu einem harmonischen Ganzen. Hinführende Orte und Manifestationen dieser Sehnsucht sind nebelverhangene Waldtäler, mittelalterliche Kloster-Ruinen, alte Mythen und Märchen, die Natur etc. Ein zentrales Symbol für diese Sehnsucht oder deren Ziel ist die Blaue Blume. Die Sehnsucht richtet sich auf etwas Unbestimmtes oder Unerreichbares. Aus diesem Grunde wird sie nie befriedigt und kann um ihrer selbst willen dauerhaft genossen und ausgelebt werden.

Im Gegensatz zu der Aufgabe der Dichter der Weimarer Klassik und Aufklärung/ Sturm und Drang, nämlich der Erziehung des Volkes durch die Literatur, sahen die Dichter der Romantik ihre Aufgabe in der Heilung des Risses, der durch die Welt und damit durch die Individuen geht, mystisch überhöht im Begriff des "Dichterpriesters". Eine Möglichkeit dazu bietet die Kunst, denn "die Welt hebt an zu singen/ Triffst Du nur das Zauberwort" (Eichendorff).

Die Romantiker suchten die verloren gegangene Welt in den Werken aus der "Kindheit der Menschen", also in den Märchen und Sagen, in den Volksliedern, im Mystizismus des Mittelalters. Das „Wahre“ wurde nicht im Intellektuellen gesehen, sondern in dem als natürlich und wahrhaftig angesehenen Verhalten des einfachen Volkes. Volkstänze flossen z.B. in die romantische Musik ein (z. B. Franz Schubert). Die Brüder Grimm sammelten die Sagen und Märchen der mündlichen Volksüberlieferung.

Allerdings birgt die „andere Welt“ auch Gefahren. Diese Nachtseite der Romantik, geprägt von Teufelspakten, Wahnsinn, Gespenstern, Schuld und Tod, findet sich z. B. besonders ausgeprägt bei E. T. A. Hoffmann.

Die Romantik ist auch als Gegenströmung zur Aufklärung (Vernunft) zu begreifen und daher im politischen Raum noch heute ein aktueller Begriff

Geschichtlicher Hintergrund

In der Organisation der Gesellschaft fanden durch die Industrialisierung große Umbrüche statt, die neue Maschinenwelt führte zu Verstädterung und Landflucht, ein vormaliges Idyll war für die Romantiker am Verschwinden.

Die gescheiterte Revolution in Deutschland, nach dem Vorbild der Französischen Revolution, bei der das absolutistische System, die Ständegesellschaft sowie die Macht der Kirche bestehen blieben, zeigte, dass der Wandel des "Systems" nicht mehr in oder mit der Gesellschaft stattfinden konnte.

Dies sahen die Romantiker mit ihrer individualistischen Grundeinstellung als einen Grund, um in ihrer Dichtung in Melancholie, in fantastische, unwirkliche, idyllische Welten zu fliehen und sich aus dem gesellschaftlichen Leben weitgehend zurück zu ziehen (Flucht aus der Wirklichkeit).

Stilmittel und Kennzeichen


* Psyche

Das Unterbewusstsein wird in der Literatur ausgelebt und kommt zum Vorschein.


* Offene Formen

Weder Form noch Inhalt sind festgelegt. So werden Lieder, Erzählungen, Märchen und Gedicht ineinander vermischt. Poesie, Wissenschaft und Philosophie werden miteinander verbunden.


* Progressive Universalpoesie

Schlegel prägte als Literaturtheoretiker und - kritiker in der Romantik den Begriff der progressiven Universalpoesie. In der Literatur sollten nun nicht mehr wie in der Klassik bestimmte Schemata für die Erschaffung eines literarischen Werkes vorgegeben sein, sondern man betrachtete den Künstler als frei schaffendes Genie. Die Regelpoetik und die Forderungen der drei aristotelischen Einheiten von Raum, Zeit und Handlungen verloren an Bedeutung, vielmehr wurde der Roman zum subjektiven Spielfeld des Autors. Ziel war es - nach Schlegel - Philosophie, Prosa, Poetik, Genialität und Kritik miteinander verbindend darzustellen. Aus diesen neuen Konstellationen ergab sich ein fragmentarischer Charakter mit unfertigen Handlungssträngen. Schlegel wollte damit den Werdensprozess der Dichtung betonen und meinte, dass der unvollendete Zustand einer Dichtung der Willkür und Freiheit des Dichters folge.


* Ironie

Der Autor steht über seinem Werk. Er kann herbeigeführte Stimmungen, Bilder oder Geschichten abrupt zerstören und übermenschlich verändern.

Ein Spezialfall romantischer Ironie sind Selbstreferenzen auf das Werk. Wenn z.B. in Theaterstücken der Held in eine ausweglose Situation gerät, aber sich sicher ist zu überleben mit der Begründung "Man stirbt doch nicht mitten im dritten Akt", ist dies ein Fall von romantischer Ironie.

Gegenstand der romantischen Sehnsucht ist das Absolute, ein Zustand aufgehobener Entfremdung, den Rousseau zuvor als 'Naturzustand' (état naturel) beschrieben hatte und dem ein unreflektiertes 'naives' Weltverständnis und Weltverhältnis entspricht. Dieser Zustand aber ist dem modernen Menschen unerreichbar geworden und kann auch durch die Kunst, die auf Reflexion beruht, nicht adäquat dargestellt werden. Jeder Versuch ihn darzustellen, greift notwendigerweise zu kurz. Das romantische Kunstwerk, das seine eigene Kritik enthalten soll, kann dieser Einsicht nur gerecht werden, indem es sich selbst ironisch hintertreibt und seine eigene 'Falschheit' (Scheinhaftigkeit) zur Schau stellt. D.h. sein zentraler Darstellungsgegenstand ist eine Sehnsucht, deren Ziel unbekannt ist, und jeder Versuch, dieses Ziel anschaulich zu machen, ist zum Scheitern verurteilt. Dieses Paradox muß die Kunst, will sie ihrer Aufgabe gerecht werden, aushalten.


* Tradition und Mittelalter

Alte Werke werden gesammelt und neu belebt. Das Mittelalter gilt als Ideal und wird verherrlicht. Übel dieser Zeit bleiben unbeachtet.


Motive der Romantik

* Die Blaue Blume
* Wander- und Reisemotiv
* Spiegelmotiv
* Doppelgänger
* Fabelwesen wie Feen und Gespenster
* Motiv der Inversion/Umkehrung
* Nacht
* Fernweh
* Die Jahreszeiten
* Kritik am Spießertum
* Mystifizierung und Verherrlichung des Mittelalters
* Sehnsucht



Schauplätze der Romantik

* Friedhöfe
* Ruinen und alte Burgen
* Dunkle Wälder
* Berginneres und Höhlen
* Natürliches – Übernatürliches – Märchenhaftes



Vertreter der Romantik

Novalis

* Philosophie

Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling als Schöpfer des Deutschen Idealismus als metaphysischem Wegbereiter der Romantik.


* Musik (die als „Sprache jenseits der Sprache“ typischste Ausdrucksform der Romantik)

Felix Mendelssohn Bartholdy, Hector Berlioz, Johannes Brahms, Hugo Wolf, Frédéric Chopin, Edvard Grieg, Johann Nepomuk Hummel, Franz Liszt, Modest Mussorgski, Franz Schubert, Robert Schumann, Richard Strauss, Hans Pfitzner, Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Richard Wagner, Carl Maria von Weber, Gustav Mahler, Anton Bruckner


* Literatur

Friedrich Hölderlin als Begründer der romantischen Dichtung im deutschen Sprachraum, Ernst Moritz Arndt, Bettina von Arnim, Ludwig Achim von Arnim, August Ferdinand Bernhardi, Clemens Brentano, Adelbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff, Friedrich de la Motte Fouqué, Joseph Görres, Jakob Grimm, Wilhelm Grimm, Karoline von Günderrode, Wilhelm Hauff, Heinrich Heine, E. T. A. Hoffmann, Heinrich von Kleist, Ernst August Friedrich Klingemann, Otto Graf von Loeben, Sophie Mereau, Adam von Müller, Wilhelm Müller, Novalis, Jean Paul, Friedrich Schleiermacher, August Wilhelm von Schlegel, Friedrich von Schlegel, Ludwig Tieck, Ludwig Uhland, Rahel Varnhagen, Dorothea Veit, Wilhelm Heinrich Wackenroder, Zacharias Werner, Adam Mickiewicz, Juliusz Slowacki, Zygmunt Krasin´ski, Cyprian Kamil Norwid.


* Malerei

Caspar David Friedrich, Eugène Delacroix, Philipp Otto Runge, Piotr Micha?owski, Joseph Mallord William Turner .

Auch Karl Friedrich Schinkel lieferte eine Reihe von Landschaftszeichnungen und Malereien sowie Architekturentwürfen, die sichtlich von der Romantik inspiriert waren. Ab den 1870er Jahren gab es in der Malerei eine Strömung, die als Neoromantik bezeichnet wird. Zu ihr zählen u.a. Moritz von Schwind und der Historienmaler Julius Schnorr von Carolsfeld.


Klassik und Romantik im Vergleich

* Klassik

Streben nach Vollendung, Ruhe, fester Ordnung, Klarheit, Maß und Harmonie


* Romantik

Drang nach Unendlichkeit, Leidenschaftlich-Bewegtem, Dunklem, Maß- und Regellosem Sprengen-Wollen aller Grenzen (Aber: Während der Sturm und Drang jede Führung durch die Wissenschaft ablehnte, lassen sich die Romantiker in hohem Maße von ihr leiten.)


* Klassik

Streben nach Objektivität, Typisierung, Gesetz, Vernunft, Gleichgewicht, nach gültiger und geschlossener Form Genaue Unterscheidung zwischen Lyrik, Epik und Dramatik; fordert Entsagung, Selbstbeschränkung, sittliche Willensstärke; lehnt Phantastisches, Verworrenes, Unklares ab; bemüht sich um Harmonie zwischen Gefühl und Verstand; verlangt genaue Grenzensetzung, es ist genug, das Erforschbare zu erforschen, das Unerforschliche aber auf sich beruhen zu lassen.


* Romantik

Zerbricht die klassischen Grenzen, will Herrschaft der frei schöpferischen Phantasie (ist wichtiger als "edle" Form und hochgeistiger Inhalt); will Grenzen sprengen: Grenzen des Verstandes, Grenzen zwischen Wissenschaft und Poesie und zwischen den einzelnen Dichtungsgattungen - Streben nach einer "Universalpoesie", die gleichzeitig Wissenschaft, Religion und Dichtung und lyrisch, episch, dramatisch und musikalisch ist; will Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit niederreißen; will die ganze Welt „romantisieren“ und fordert völlige Subjektivität, Individualisierung, Freiheit und Unabhängigkeit und eine weltoffene, ewig unfertige Dichtungsform; Vorliebe für das Traumhafte, Wunderbare, Unbewusste, Übersinnliche

Die Romantik wurde zur europäischen Geistesbewegung und erfasste, von Deutschland ausgehend, alle Länder Europas. Sie beeinflusste Philosophie, Dichtung, Künste, Religion, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.


Literatur

* Helmut Schanze (Hrsg.): Romantik-Handbuch. Stuttgart: Kröner 1994
* Detlef Kremer: Romantik, Stuttgart: Metzler 2003
* Hans Steffen (Hrsg.): Die deutsche Romantik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1989
* Silvio Vietta (Hrsg.): Die literarische Frühromantik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1983
* Theodore Ziolkowski: Das Amt der Poeten. Die deutsche Romantik und ihre Institutionen. München: dtv 1994
* Manfred Frank: Einführung in die frühromantische Ästhetik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
* Ders.: Kaltes Herz. Unendliche Fahrt. Neue Mythologie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
* Karl Heinz Bohrer: Die Kritik der Romantik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
* Ders.: Der romantische Brief. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
* Gerda Heinrich: Geschichtsphilosophische Positionen der deutschen Frühromantik. Kronberg/Ts.: Scriptor 1977
* Eberhard Roters: Jenseits von Arkadien. Die romantische Landschaft. Köln: DuMont 1995
* Eckart Kleßmann: Die deutsche Romantik. Köln: DuMont 1979
* Carl Schmitt: Politische Romantik, Berlin: Duncker & Humblot 1919, 1925, 1968



Weblinks

* http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=75
Aufsätze zur Romantik im Goethezeitportal]

* http://www.saint-albin-verlag.de/page2.htm
: Das Internationale Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft versteht sich als Forum für die Erforschung von Romantik und Vormärz

* http://archiv.christoph-hoffmann.de/ESS/Deutsch/EpochenderRomantik.pdf
(Epochen der Romantik.)

* http://archiv.christoph-hoffmann.de/ESS/Deutsch/Romantik.pdf (Übersicht zur literarischen Romantik.)

* http://www.romantik-referat.de
(Umfangreiches Online Referat über die geistige Epoche der Romantik.)


Von "http://de.wikipedia.org/wiki/Romantik"

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Romantik aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.






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