Musiklexikon

  

Giulio Regondi

"Allen Berichten zufolge hat Giulio Regondi eine Jugend durchlebt, die aus einem Roman von Charles Dickens stammen könnte". Giulio Regondis (1822-1872) Mutter soll schon bei seiner Geburt (in Genf oder Genua) gestorben sein, so dass er bei seinem Vater aufwuchs. Dieser hatte schon früh beschlossen aus Giulio ein Wunderkind zu machen, was ihn mit unerbittlichem Drill gelang. Der kleine Giulio wurde tagsüber in sein Zimmer eingeschlossen und musste - überwacht von der Nachbarin - stundenlang üben. Sein erster Kontakt mit der Öffentlichkeit soll ein Konzert gewesen sein, bei dem er alle Zuhörer  nicht nur aufgrund seines Alters - Regondi soll zu diesem Zeitpunkt sieben Jahre alt gewesen sein - verblüffte. 

Das Wunderkind sorgte seitdem in Europa für Furore. Dass er schon früh eine hohe Anerkennung genoss zeigt u.a., dass Sor 1831 dem damals neunjährigen Regondi seine Fantasie Op.46, “Souvenir d'amitié“  widmete. 

1835 machte sich sein angeblicher Vater mit den gesamten Konzerteinnahmen aus dem Staub, nachdem er seinem Sohn eine Fünf-Pfund-Note überreicht hatte.

Trotz des frühen Ruhmes und der schwierigen Kindheit entwickelte sich aus dem Wunderkind ein ernsthafter Musiker und Komponist. Seine Werke sind von einem durch und durch romantischen Kompositionsstil geprägt, der durch gewagte harmonische Fortschreitungen und Akkordkaskaden, eine gesangliche Melodik mit Seufzer-Motiven, rasanten chromatischen Läufen und einem großen Ambitus sowie die  insgesamt virtuose Anlage geprägt ist. Dennoch geriet Regondis Werk lange in Vergessenheit.

In den 1980er Jahren wurde die kompositorische Hinterlassenschaft Giulio Regondis wiederentdeckt und ist seitdem fester Bestandteil des romantischen Gitarrenrepertoires. Leider ist nur ein sehr kleiner Teil seiner Werke überliefert worden, so dass die Veröffentlichung von zehn Etüden (Edition Ophée, 1990) die aus Regondis Feder stammen sollen, einer kleinen Sensation gleich kam. Bisher wurde diesen allerdings nicht dieselbe Aufmerksamkeit geschenkt wie Regondis übrigen Werken. Dies mag auch an der ungeklärten Herkunft der Etüden liegen. Ein Autograph liegt nicht vor und die Etüden wurden zudem in Russland entdeckt, wo sich Regondi nie aufgehalten hat. Auch dass die Etüden unter dem Namen Regondis erschienen sind, gibt, aufgrund der freien Handhabung zu dieser Zeit,  keine Garantie für seine Urheberschaft. Darüber hinaus könnte auch der Vater Regondis der Komponist dieses Etüdenzyklus gewesen sein.  

Trotz der ungeklärten Urheberschaft stellen die Etüden aber eine echte Bereicherung der Gitarrenliteratur dar und so ist die nun  vorliegende Ersteinspielung von John Holmquist, der auch schon als Herausgeber der Notenausgabe fungierte, sehr zu begrüßen.



Buchempfehlung


Titel: Der junge Gitarren- und Concertinavirtuose Giulio Regondi - Eine kritische Dokumentation seiner Konzertreise durch Europa 1840 und 1841
Autor: Helmut C. Jacobs
Verlag: Augemus Musikverlag
Preis: 30,- Euro
ISBN: 3-924272-06-9



Das vorliegende Buch wurde im Augemusverlag in der Reihe "Texte zur Geschichte und Gegenwart des Akkordeons" herausgegeben, ist aber insbesondere auch für alle klassischen Gitarristen von besonderem Interesse. Der Autor Helmut C. Jacobs hat sich mit Giulio Regondis Konzertreisen 1840 und 1841 auseinandergesetzt und legt hierzu umfangreiche Forschungsergebnisse vor, die viel Licht in die oft mystifizierte Biographie des Gitarrenvirtuosen bringen. Durch die wenigen überlieferten Kompositionen und die bisher eher vernachlässigte musikwissenschaftliche Aufarbeitung des Phänomens Regondi, erschien er bisweilen als ein Musiker der sich, vom normalen Musikbetrieb isoliert, seine Anerkennung in kleinen speziellen Fachkreisen erwarb. Die intensive Recherche von Helmut C. Jacobs hat umfangreiches Quellenmaterial zutage gefördert, welches belegt, dass Giulio Regondi zu seiner Zeit ein sehr hohes Ansehen in der Musikwelt genoss und von Kritikern auf eine Stufe mit Ausnahmeerscheinungen wie Paganini und Liszt gestellt wurde.

"Regondi ist aber auch unstreitig eine Kunst-Celebrität allerersten Ranges, wobei wir weit entfernt sind, diesen Ausdruck nur mit Rücksicht auf das von ihm erfundene neue Instrument oder auf die Schwierigkeit der selbständigen Behandlung der Guitarre zu gebrauchen, denn käme dieses hier in Berücksichtigung, so müßten wir ihm noch eine höhere Stufe als einem Liszt und Paganini zuerkennen."

Das Buch gliedert sich in zwei  Teile. In den Kapiteln des ersten Teils beschäftigt sich Jacobs mit Regondis Biographie vor 1840 und den Konzertreisen von 1840 und 1841, die Regondi mit seinem Duopartner, dem Cellisten Joseph Lidel, unternahm. Weitere Themen sind "Die Instrumente Gitarre und Concertina", "Programmgestaltung und Repertoire" oder "Regondi als Persönlichkeit und Virtuose". 

Im zweiten Teil hat Helmut C. Jacobs das gesamte von ihm recherchierte Quellenmaterial zusammengefasst. Dies gibt dem Leser die Möglichkeit, sich ein eigenständiges Urteil über die Persönlichkeit Regondis zu bilden.

Das vorliegende Buch ist die erste ernstzunehmende musikwissenschaftliche Arbeit über Giulio Regondi, die auch aufdeckt, wie bisherige Untersuchungen unkritisch Daten und angebliche Fakten aus vorangegangenen Publikationen übernommen haben. So äußert Jacobs im ersten Kapitel berechtigte Zweifel an dem oft genannten Geburtsdatum 1822 und führt plausible Gründe an, die für das Geburtsjahr 1823 sprechen.

Wer sich mit dem Werk Regondis auseinandersetzt, dem sei dieses Buch ganz besonders ans Herz gelegt. Der flüssige Schreibstil des Autors macht die Lektüre zu einem echten Genuss. Zudem ist es spannend im Quellenmaterial des zweiten Teils zu stöbern.

Quelle: www.gitarrehamburg.de



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