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Formen der Lauten- und Gitarrenmusik
des 16. bis 18. Jahrhunderts

Air (Ayre, Air de court)
Im Frankreich des 17.Jahrhunderts verstand man darunter eine überwiegend einstimmige, hauptsächlich von der Laute begleitete Liedform; aber auch rein instrumentale Übertragungen für Laute sind überliefert. (G.Battaille, Airs de cour, mis en tabulature de luth, 1612/14).
Qualitativ hochstehender waren die englischen Airs vom Ende des 16.Jahrhunderts ab, die sowohl französische wie italienische Einflüsse verraten. Den Airs (Ayrs, Ayres) von Dowland und Morley haben offensichtlich italienische Canzonetten Pate gestanden. Sie waren über Jahrzehnte die populärste Liedform in England.


Allemande/ fr. abgekürzt für 'danse allemande': deutscher Tanz 16. bis 18. Jahrhundert
Stets geradtaktig, ist die Allemande ein Reigentanz in langsamer, gemessener Bewegung, Zeichen eines zufriedenen Gemuths, das sich an guter Ordnung ergetzt. (Mattheson)
In der 1.Hälfte des 18.Jahrhunderts verliert sie ihre Tanzmusikfunktion und findet als erster Satz Eingang in die Solosuite.


Ballo (Balletto, Ballet)
Ballo ist ursprünglich der Sammelname für Tänze aller Art. In den Lautentabulaturen des 16. und 17. Jahrhunderts wird unter "Ballo" eine geradtaktige zweiteilige Form im schnellen Tempo verstanden.


Basse danse
Im 15.Jahrhundert als "Königin der Tänze bezeichnet. Der Basse danse besteht aus drei Teilen: "Basse dance" - "Recoupe" und "Tourdion". Gewöhnlich stehen die beiden ersten Sätze im Dreiertakt, der Tourdion im 6/8 oder 6/4 Takt. Die Folge dieser drei Sätze kann als eine Vorform der Suite angesehen werden.


Battaglia (Bataille)
Musikstücke die kriegerische Handlungen, Schlachten und Aufzüge schildern.


Bergamesca (Bergamascha)
Ursprünglich der Name für ein italienisches Tanzlied der Bauern aus der Umgebung von Bergamo. Die Bergamesca ist ein humorvoller Tanz, der zahlreich in den Lautentabulaturen des 17.Jahrhunderts vertreten ist.


Bourreé
Im 16. Jahrhundert ein Volkstanz aus der Auvergne stammend. Sie steht in heiterem Zweiertakt meist mit Auftakt auf dem letzten Viertel. Im 17.Jahrhundert fand die Bourreé Eingang in die Kunstmusik und wurde fester Bestandteil der Suite.


Branle
Vom 15. bis 17. Jahrhundert ein variantenreicher Reigentanz, der ursprünglich den Schluß-Pas des Basses dances bildete. Vom 16.Jahrhundert an erscheint er als selbstständiger Tanz, sowohl im geraden Takt wie auch im Tripeltakt, der nach Arbeau in verschiedenen Tempi getanzt wurde: Branle double und Branle simple im langsamen Tempo, Branle gay im lebhafteren Dreiertakt, Branle de Bourgogne und Branle de Champagne im schnellen Zweiertakt.


Canarie
Sehr schneller, punktierter 3/8 oder 6/8 Tanz aus der Gigue-Familie, vermutlich aus den kanarischen Inseln. Als reines Instrumentalstück ist sie an keine Norm gebunden und kann auch im geraden Takt stehen.


Capriccio
Das Lautencapriccio ist oft ein präludienhaftes Stück, mit ironischer, komischer Bedeutung. Das Capriccio verwendet die Technik der Imitation, und ist verwandt mit der Volte.


Chaconne (Ciacona)
Seit 1600 in Spanien nachweisbarer Tanz, der bald in die Instrumentalmusik Eingang fand und als Variationsform bis 1800 lebendig blieb. Als eine Reihe von Variationen über einen ostinaten Baß (d.h. über ein mehr oder weniger verändertes, sich stets wiederholendes Baßthema von 4, 8 oder 16 Takten) ist die Chaconne nahe verwandt mit der Passacaglia, wobei Mattheson diese von jener dahingehend unterscheidet, dass die Chaconne mit größerer Freiheit vom vorgesetzten Thema im Basse weichen darf als die Passacaille.


Chanson
Bis zum 15. Jahrhundert Sammelbegriff für jede Art weltlicher Lieder in der Volkssprache. (Ballade, Rondeau, Virelai) Der Chansontyp, wie er um die Mitte des 16.Jahrhunderts in den Tabulaturdrucken von Attaingnant, Le Roy und Ballard vertreten ist, war sehr gut zur Wiedergabe durch eine Solostimme mit Lautenbegleitung geeignet. Später erhielten sie auch die Bezeichnung "Air" und bildeten die Hauptform der weltlichen Vokalmusik in Paris.


Chorea
Griechische Bezeichnung für Lautentänze.


Courante (Corrente, Corranto)
Sie gehört zu den Tanzformen des 16. bis 18. Jahrhunderts und hatte als Nachtanz der Allemande ein längeres Leben als diese. Die älteren Couranten haben langsames Tempo, um die Mitte des 17.Jahrhunderts werden sie rascher, und Praetorius verlangt für sie ein schnelles Tempo. Typisch für die Courante im 17.Jahrhundert ist ein ungerader Takt, im 18.Jahrhundert ein Auftakt mit kurzen Noten und das Auftreten punktierter Rhythmen.


Diferencia
Frühe Variationsform, z.B. in den Spanischen Tabulaturen für Vihuela von Luis de Narváez.


Double (Diminution, Division)
Name für die mit Verzierungen ausgestattete Wiederholung eines Suitensatzes.


Fantasia (Fantasie, Fancy)
Im 16.Jahrhundert ein nach polyphonen Kompositionsprinzipien gearbeitetes Instrumentalstück. Gegen Mitte des 16.Jahrhunderts ist die Fantasia gleichbedeutend mit dem italienischen "Ricercar" und dem spanischen "Tiento", die zur späteren Ausformung der Fuge geführt haben.


Folia (la Folia, les Folies d´Espagne)
"La Folia" war ursprünglich ein portugiesischer Tanz, nachweisbar seit Ende des 16.Jahrhunderts. Als "Moresca" ein ursprünglich-religiöser Dämonentanz. Die klassische Form ist auf einem 16 tönigen Ostinato-Bass aufgebaut.


Frottola
Altitalienische Liedform mit volkstümlichen, balladenhaften Elementen. Sammelbegriff für verschiedene in Musik gesetzte Dichtungen, z.B.: Barzelletta, Strambotto, Oda, Giustiniana, Sonetto, Canzone, Capitolo, Canto Carnascialesco u.a. Es sind Frottolas für mehrstimmigen Chor, einen einzelnen Sänger mit Instrumentalbegleitung (Laute, Spinett, Violine) aber auch für Laute solo überliefert


Fuge (Fuga, Fugue)
Letztentwickelte Form des kontrapunktischen Stils. Das Thema wird zu Beginn von einer Stimme allein vorgetragen (lat. dux, "Führer"). Die zweite Stimme (lat. comes, "Gefährte") antwortet in der Oberquinte oder Unterquarte, mit unter auch in anderen Intervallen. Von der ersten Stimme wird unterdessen ein Kontrapunkt (Gegenstimme) zur zweiten Stimme ausgeführt. Nach dem gleichen Prinzip verfährt man mit der dritten und evtl. vierten Stimme. Ansätze zur Fugenform findet sich in der Lautenmusik des 16.Jahrhunderts, als Fantasia, Ricercare und Tiento. Die drei Fugen aus den Lautenwerken J.S. Bach bilden den Höhepunkt dieser Kompositionsgattung innerhalb der gesamten Lautenmusik.


Galliard (Galliarde, Gagliarda, Gaillarde)
Sie gehört wie der Saltarello, Proportio, Hupfauf usw. zur Gattung der im Tripletakt stehenden Nachtänze. Einem Tanz in mäßigem oder lagsamen Tempo folgend. Über das Tempo der Galliard liegen in zeitgenössischen Quellen widersprüchliche Aussagen vor. Offenbar war diese Tanzform vielen Veränderungen unterworfen. Im allgemeinen darf man ein mäßig bewegtes Tempo annehmen, etwa vergleichbar mit dem Menuett.


Gassenhauer siehe Hupfauf


Gavotte (Gavotta)
Im 16.Jahrhundert trifft man die Gavotte als einen Abkömmling des Branle. Im 17.Jahrhundert fand sie als Zwischensatz im geradtaktigen, ruhigen bis mäßigen Tempo, zwischen Sarabande und Gigue Eingang in die Suite.


Gigue (Jig, Giga)
Der aus der Instrumentalmusik des 17. und 18.Jahrhunderts bekannte Tanz in sehr raschem Tempo und im 6/8 Takt stehend, taucht zunächst auf den britischen Inseln unter dem Namen "Jig" auf. Die Jig ist auch eine Art Posse, mit einer in Versform gekleideten Handlung mit populären Melodien und grotesken Tänzen. In der Mitte des 17.Jahrhunderts gelangt die Gigue auf das europäische Festland und findet Aufnahme in die höfische Kunstmusik als letzter Satz der Suite.


Glosa / siehe Double


Haulberroys
Altfranzösischer Rundtanz, der bereits Ende des 16.Jahrhunderts als veraltet galt.


Hornpipe / siehe Musette


Hupfauf (Nachtanz, Gassenhauer, Auff und Auff, Proporz)
Deutscher Springtanz, meist auf einen langsamen Schreittanz folgend. In Italien "Salterello", in Frankreich "Tourdion" und in Spanien "Alta danza" genannt.


Intrada / siehe Präludium und Pavane


Kanzone
Sammelbegriff verschiedenster Formen von Vokal und Instrumentalmusik. Unter "Canzone" versteht man z.B. eine Kompositionsform, die aus der Übertragung (Intavolierung) der französischen Chanson auf verschiedene Instrumente hervorgegangen ist. Charakteristisch ist das schnelle Tempo, Abschnittswiederholungen und eine imitierende Satzweise.


Loure
Die Lour stammt aus der Normandie in Frankreich und bezeichnet sowohl eine Dudelsackform, als auch einen im 3/4 oder 6/4 Takt stehenden Tanz oder Suitensatz im späten 17. und 18. Jahrhundert. Die langsame Variante der Gigue.


Menuett
Vor 1700 ein langsamer Tanz im 3/4 Takt, ab ca. 1700 wurde das Tempo zunächst schneller, später wieder langsamer. Äußerst beliebter höfischer Tanz, der den Übergang zur klassischen Epoche überlebte.


Moresca / siehe "Folia"


Musette
Tanz- und Instrumentalstück mit gefälligem Charakter im 6/8-, 3/4-, oder 2/4 Takt. Charakteristisch ist ein liegender Basston, der Name stammt von einer französischen Form des Dudelsacks


Padoana (Padovana, Paduana)
Zu Beginn des 16.Jahrhunderts ein langsamer Schreittanz, oft in der Tanzfolge Padoana - Saltarello - Piva zu finden, die als eine Vorform der Suite anzusehen ist. Seit der Mitte des 16.Jahrhunderts ein schneller Tanz mit zusammengesetztem Metrum, meist in der Tanzfolge Passamezzo - Padoana - Saltarello.


Paisanne (Paysane) / siehe Pastorale


Passepied / siehe Menuett


Passacaglia / siehe Chaconne


Passamezzo (Pass'e mezzo, Passo e mezzo)
Italienischer Tanz des 16.Jahrhunderts in gemässigtem Tempo, eng verwandt mit der Pavane, jedoch etwas schneller als diese. Charakteristisch für das Passamezzo ist die Variation gegebener Harmonien, Themen und volksmusikalischer Melodien, die oft virtuos figuriert wurden. Die Tanzfolge Passamezzo - Galliarda - Padoana gilt als ein Vorläufer der Suite.


Pastorale (Paisanne, Paysane, Pastorella, Chorea pastorum)
Als Nachfahren des "Schäfer Tantz" finden diese Tänze seit dem 17.Jahrhundert ihren Eingang in die Lautensuite und ersetzen fallweise die Sarabande.


Pavane (Pavan, Pavana, Pavin)
Langsamer Schreittanz, der vorallem im 16.Jahrhundert große Bedeutung erlangte und in ganz Europa weit verbreitet war. Wichtige Beispiele finden sich ua. bei Attaignant, Milán Dowland, Morley und Byrd. Anfang des 17.Jahrhunderts wird die Pavane in die deutsche Tanzsuite aufgenommen: Pavane - Intrada - Dantz - Gagliarda.


Piva / siehe Padoana


Präludium (Praeambulum, Preambel, Priamel, preludio, Intrada, Entrée)
Im 16. Jahrhundert ein einleitendes Vorspiel in freier, meist improvisierender Form. Gegen Ende des 17.Jahrhunderts verfestigt sich seine Form und das Präludium nimmt die Stelle des ersten Satzes der Suite ein, wobei es auch in der Barockzeit die Funktion einer Einleitung behält.


Proporz (Proportio) / siehe Hupfauf


Recoupe / siehe Basse danse


Redoble / siehe Double


Ricercar (Ricercare, Recercar)
Ricercare bedeutet suchen, forschen und meint im musikalischen Sinne improvisieren, präludieren. Das Ricercar ist im 16.Jahrhundert ein freies Instrumentalstück, in Spanien nennt man diese Form "Tiento" oder Tento.
Ab der Mitte des 16.Jahrhunderts werden die Ricercari in Imitationstechnik kunstvoll auskomponiert und gelten als ein Vorläufer der Fuge.


Rigaudon
Lebhafter, geradtaktiger Volks-, Ballett und Hoftanz, eng verwandt mit der Bourée. Im 17. und 18.Jahrhunderts steht der Rigaudon zwischen Sarabande und Gigue in der Instrumentalsuite.


Romance
hier: die spanische Romance der Vihuelisten im 16.Jahrhundert. Instrumental begleitetes Strophenlied, meist mit Zwischenspielen und variierter Strophenbegleitung in der Vihuela.


Rondeau (Ronde, Rondo) = Rundgesang
Musikalische Form, bei der das Hauptthema (Refrain, Ritornell) mindestens einmal wiederkehrt. Das Rondeau findet sich besonders häufig in der französischen Cembalomusik des 17.Jahrhunderts und entwickelt sich zum Sonatenrondo in der Instrumentalmusik der Klassik weiter.


Ruggiero
Bass-Model für Instrumentaltänze und Variationszyklen.


Sarabande
Vermutlich aus Mexiko stammend, war die Sarabande im Spanien des 16.Jahrhunderts ein wilder, obszöner Tanz der bei Androhung von Peitschen- und Galeerenstrafe verboten wurde. Im 17. Jahrhundert wandelt sich die Sarabande zu einem sehr langsamen Schreittanz im Dreiertakt und wurde in die Suite zwischen Courante und Gigue eingeschoben.


Saltarello (Sauterelle) / siehe Hupfauf, Padoana, Passamezzo


Sonett (Soneto) / siehe Frottola


Spingardo / siehe Padoana


Suite
Folge von Tanzsätzen, die in der Geschichte in verschiedenen Formen auftaucht bis sie sich schließlich zum klassisch gewordenen Suitentyp herausbildet. Langsame und schnelle Tempi, gerade und ungerade Taktarten wechseln sich in der Suite ab und bilden ab dem 17.Jahrhundert die Tanzfolge:

Präludium - Allemande - Courante - Sarabande - Gigue

Diese Tanzfolge kann jedoch durch einschieben anderer Sätze wie Gavotte, Loure, Menuett etc. variiert werden.

Vorformen:


16.Jahrhundert

1. Dantz-Proporz (Hupfauf)
Basse danse - Recoupe - Tourdion
Pavana - Salterello - Piva
Pavane - Galliarde

2. Suite des Branles
Passamezzo - Padoana - Saltarello

17.Jahrhundert

Padoana - Intrada - Dantz Galliarda
Pavane - Galliarde - Allemande - Courante


Tastar de corde / siehe Präludium


Tiento / siehe Fantasia, Präludium, Ricercar


Toccata / siehe Präludium


Tombeau
Instrumentalstück zum Gedenken an eine verstorbene Persönlichkeit.


Tourdion / französischer Reigentanz im 6/8 oder 6/4 Takt, dritter Satz des Basse danse.


Tripla / siehe Allemande und Hupfauf


Toy(e)
Tanzstücke heiteren Charakters aus dem elisabethanischen England, eng verwandt mit der Jig.


Villancico
Bezeichnung für volkstümliche Lieder im Spanien des 16.Jahrhunderts, meist mit Vihuela Begleitung.


Villanella / Volkstümliches Straßenlied italienischen Ursprungs. Auch Solostücke für die Laute trugen im 16.Jahrhundert diesen Titel.


Volte / Lebhafter Tanz aus der Provence. Weiteste Verbreitung zwischen 1550 und 1650.



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