Musiklexikon

  

Wulfin Lieske

Sein Konzertdebüt feierte der gebürtige Linzer bereits mit 14 Jahren in der berühmten Abbey auf der schottischen Insel Iona. Werke von Bach und Villa-Lobos sowie eigene Kompositionen und Improvisationen standen seinerzeit auf dem Programm.

Heute zählt der Gitarrist und Komponist Wulfin Lieske zu den international führenden Musikerpersönlichkeiten seines Genres. Seine musikalische Auffassung offenbart völlig neue Einsichten in die traditionelle Gitarrenmusik. Das Spiel Lieskes ist voller Sinnlichkeit, mit fein ausziselierten Details und einem enorm großen Spektrum an Dynamik und Klangfarben, kombiniert mit vollkommener Beherrschung seines Instrumentes.

Bislang arbeitete er mit Koryphäen wie beispielsweise Gidon Kremer, Astor Piazzolla, Juan José Mosalini oder dem Hilliard Ensemble zusammen. Im Jahr 1994 gründete Wulfin Lieske das Quartett BRONSKY RITUAL, mit dem er zeitgenössische Kammermusik und thematische Programmzyklen - auch unter Einbeziehung von Lichtkunst und Performance - zur Aufführung brachte.

Sein Repertoire reicht von Bach bis zur freien Improvisation. Darüber hinaus begleitet Wulfin Lieske seit 1998 den Schweizer Tenor Christoph Homberger in Schuberts Liederzyklus ‘Die schöne Müllerin‘. In seinen Solokonzerten stellt er vor allem die populäre Musik im Grenzbereich zwischen Klassik und Volkstradition Lateinamerikas und Spaniens die avancierten Werke der Alten und Neuen Musik gegenüber.

Als erster Interpret überhaupt spielte Wulfin Lieske mit einem Instrument des legendären Gitarrenbaumeisters Antonio de Torres eine CD ein. Dies trug maßgeblich zur Wiederentdeckung der originalen altspanischen Gitarren bei (EMI CLASSICS).

Im Jahr 2000 wurde sein Oratorium ‘Über den Wassern‘ gemeinsam mit dem Hilliard Ensemble und der Performancekünstlerin Saâdia auf der EXPO 2000 in Hannover uraufgeführt. Um die Jahreswende 2002/2003 entstand das ‘LUXOR Guitar Concerto‘ für verstärkte Gitarre, Schlagzeug und Streichorchester.

Wulfin Lieskes Kompositionen sind seit 2004 bei Edition Margaux verlegt. Seine aktuellen CDs TAQSIM I-III, Lieskes eigene Hommáge an die arabische Oud sowie das spanische Album AIRES DE LA GUITARRA erscheint bei Kreuzberg Records. Der berühmtesten Gitarre, die 1856 von Antonio Torres in Sevilla gebaute „La Leona“, wird 2005 erstmalig auf einer gleichnamigen CD mit Werken von Bach, Milano, Lieske, Tárrega und Albéniz der Öffentlichkeit vorgestellt.
Gehaltvoll und unterhaltsam zugleich

Quelle: Pressetext W.L.

>>Diskogaphie

Pressespiegel

Wulfin Lieske bei den Hamburger Gitarrentagen

Ein Konzert der Extraklasse bekamen die Zuhörer am 30.04. im Rahmen der Hamburger Gitarrentage geboten. GitarreHamburg.de präsentierte den international anerkannten Gitarristen Wulfin Lieske. Musik von Regino Sainz de la Maza, Eduardo Sainz de la Maza, Ruperto Chapí, Joaquín Malats Joaquín Turina, Issac Albéniz und sein eigenes Werk "Taqusim I in four parts" - jüngst im Label Kreuzberg Records erschienen - hatte der Wahlkölner mit in die Heilig-Geist Kirche gebracht und wusste sein Zuhörer mit einer gehaltvollen aber zugleich sehr unterhaltsamen Live-Performance zu beeindrucken.

Von Beginn an bestach Lieske durch seine absolute Präsenz und eine erfrischende Spielfreude, die kein vorsichtiges Herantasten bzw. langsames Hereinspielen in die Konzertsituation benötigte. Dieser Interpret liebt das Podium und versteht sich bestens darauf gleichzeitig großes Selbstbewusstsein und Lockerheit zu versprühen. Ganz hervorragend sind in diesem Zusammenhang auch die lehrreichen und unterhaltsamen Moderationen, durch die der Abend ein wenig den entspannten Charakter eines Gesprächskonzerts bekam.

Der erste Programmblock des Konzerts war ganz Regino und Eduardo Sainz de la Maza und gewidmet, in deren Kompositionen sich heimatliche Folklore und europäische Kunstmusik vermischen, was schon die aus dem Flamenco stammenden Titel wie „Petenera“, „Soleá“ oder „Zapateado“ verraten. Lieskes Interpretation gelingt es beiden Einflüssen gerecht zu werden, indem er sich nicht als Flamenco-Gitarrist geriert, da wo es aber erforderlich ist forsch und zupackend zu Werke geht. Ein besonders inniger Moment war das wunderschöne "Campanas de Alba" aus Eduardo Sainz de la Mazas Feder. Einfach hinreißend, dieses absolut unangestrengte Tremolo, welches so leicht und flüssig aus Lieskes Fingern strömt und zudem mit den allerfeinsten tonlichen Nuancen gespickt ist.

Nun folgten Werke von Ruperto Chapi und Joaquín Malats, mit denen Lieske gleichzeitig die außerordentlichen Leistungen Francisco Tárregas als Arrangeur fremder Kompositionen darstellte und aufzeigte, wie sehr die Tätigkeit als Bearbeiter auch seine Kompositionen beeinflusst haben. Ganz besonders deutlich wurde dies an Chapis „Serenata Morisca“, die eine nicht zu überhörende Nähe zu Tárregas beliebtem „Capricho Arábe“ aufwies.

Und auch im folgenden Programmteil, in dem der Gitarrist drei Werke Joaquín Turinas präsentierte, war Francisco Tárregas präsent, brachte Lieske neben den Stücken „Fandanguillo“ und „Rafaga 0p. 53“ doch auch die zweisätzige Komposition „Hommenaje à Tárrega“ zu Gehör. Lieske arbeitet durch subtile Kolorierung gekonnt die teilweise impressionistischen Klangbilder heraus, wird durch seine sehr authentische Artikulation aber auch hier den typischen Hispanismen dieser Kompositionen gerecht.


CD Kritik

Die aktuelle CD von Wulfin Lieske. Erschienen bei kreuzberg records

Mit seiner viersätzigen Komposition „Taqsim I“ stellte sich nach der Pause dann auch der Komponist Wulfin Lieske seinem sehr fachkundigen Publikum vor. Das aus dem griechischen stammende Wort Taqsim (taxis - Teilung, Bruch, Anordnung) bezeichnet auch die Soloimprovisation der arabischen Laute (Oud) auf Grundlage fester Tonreihen, der so genannten maquam. Hierauf basiert auch die musikalische Textur seiner Komposition erläutert Lieske einführend und fügt hinzu, dass es sich sowohl um eine Hommage an den irakischen Lautenmeister Mounir Bashir handelt - hierzulande durch seine Zusammenarbeit mit Musikergrößen wie Friedrich Gulda oder Albert Mangesldorff bekannt - gleichzeitig aber auch eine Huldigung der kappadokischen Hochebene darstellt. Diese farbenreiche, fast sureallistisch wirkende anatolische Landschaft, mit ihrer durch Vulkanausbrüche vor drei Millionen Jahren geprägten bizarren Felsenlandschaft mit ihren ganz eigenen Klangräumen muss eine besonders starke Inspirationsquelle für den Komponisten gewesen sein. Den mit „Metamorphosis“, „Evocación“, „Scherzo“ und „Choral“ betitelten Sätzen von Taqusim I liegt ein meditativ archaischer Gestus zugrunde, der mit eruptionsartig hervorbrechenden Rasgueados, minimalistisch anmutenden Tappingpatterns, schwebenden Flageolettpassagen oder flirrenden Klangflächen fortwährend zwischen höchster musikalischer Intensität und entspannter fast spiritueller Gelöstheit changiert. Selbst jene Zuhörer, die sich sonst weniger mit modernen Kompositionen anfreunden können, waren verblüfft von diesem Farbenreichtum, dieser Vielzahl an Klängen und Geräuschen, die Lieske seinem Instrument entlockte und der unerhört expressiven Vortragsweise.

Die wenigen Zuhörer, die Taqusim eher als reinigendes Gewitter erlebten, wurden im Anschluss mit einer Transkription des Albéniz-Klassikers Córdoba versöhnt. In der Heilig-Geist Kirche neigte sich ein Konzertabend dem Ende entgegen, der mit deutlich spanischem Schwerpunkt, mit der geglückten Vereinigung von Tradition und Moderne und nicht zuletzt durch die extraordinären Fähigkeiten des Interpreten zu einer wunderbare Werbung für die Gitarre geriet. Das begeisterte Auditorium dankte mit anhaltendem Beifall und entließ den Interpreten erst nach zwei Zugaben in den wohlverdienten Feierabend.



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