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Barock/ Musikgeschichte

Die Periode der Barockmusik in der abendländischen Kunstmusik, auch bezeichnet als Generalbasszeitalter, schließt sich an die Renaissance an und erstreckt sich vom Beginn des 17. bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Sie zählt zur alten Musik.

Der Beginn des musikalischen Barock wird durch die Kompositionen Claudio Monteverdis markiert. Eine mögliche Einteilung des weiteren Zeitraums, die jedoch nur als ungefähr betrachtet werden muss, ist wie folgt:

* Frühbarock (ca. 1600 bis 1650), unter italienischer Dominanz;
* Hochbarock (ca. 1650 bis 1710), mit bedeutenden französischen Einflüssen;
* Spätbarock (ca. 1710 bis 1750), mit Tendenz zur Vereinigung regionaler Stile.


Gesamtkulturell folgte die Phase des Rokoko; in der Musik hatte sich bereits ab den 1730er Jahren der so genannte empfindsame Stil zu etablieren begonnen. Ab den 1780er Jahren schloss sich musikgeschichtlich die Periode der Wiener Klassik an.

Charakterisierung

Die zu Beginn des 17. Jahrhunderts aufkommenden Merkmale, die den Beginn eines neuen Musikzeitalters rechtfertigen, sind die Monodie (Sologesang mit spärlicher Begleitung), der Generalbass und die neu entstandenen Gattungen Oper und Oratorium.


Kompositionstechniken

Form

Es war ein Merkmal der Zeit, der Form mindestens gleich viel Gewicht zuzumessen wie dem Inhalt. Während des Barock emanzipierte sich die – vorher streng an den Gesang gekoppelte – Instrumentalmusik. Dies zeigt sich im „konzertanten Prinzip“, dem bewegten Zusammenwirken und Wetteifern von Stimmen (vokal wie instrumental). Es entstand das „Concerto Grosso“, das das solistische („Concertino“) und chorische (Orchester, „Tutti“) Konzertieren von Instrumentengruppen bezeichnet. Weitere wichtige musikalische Formen, die sich im Barockzeitalter ausbildeten, waren Passacaglia, Chaconne, Fuge, Sonate, Solokonzert, Kantate und Passion.


Opern waren im Barock Populärmusik. Gerade wenn so eine Oper erfolgreich war, stellte man aus den darin enthaltenen Tanzsätzen Ouverturen, auch Suiten genannt, zusammen – man kann hier durchaus von „Auskopplungen“ sprechen. Menuette und andere Tanzsätze wurden im Nachhinein auch gern vertextet. So ist z. B. überliefert, dass es in Paris Anfang des 18. Jahrhunderts einen Interpreten gab, der Menuette zugleich sang und tanzte.


Ausdruck

Die musikalische Sprache und Melodienbildung beruhte auf einem reichhaltigen System von Figuren, die einer musikalischen Rhetorik entsprachen und an „Affekte“ gekoppelt waren, das heißt, menschliche Gemütszustände aufzuzeigen versuchten. Als nur eines unter sehr vielen möglichen Beispielen sei die chromatisch absteigende Bassline genannt, die immer wieder gerne verwendet wurde, wenn ein Klagegesang zu komponieren war.
Eine möglicherweise treffende Charakterisierung des Sachverhalts stammt von Nikolaus Harnoncourt und sei hier dem Sinn nach zitiert: „Die Musik des Barock spricht, die nachbarocke Musik malt“.


Besonders im Frühbarock wurde die venezianische Mehrchörigkeit – das Musizieren unter Einbeziehung der räumlichen Verteilung – weitergeführt.


Struktur

Die bereits im Mittelalter entstandene und in der Renaissance zu ihrer Vollendung geführte Polyphonie, also das Zusammenklingen selbstständig geführter Melodielinien, fand breite Verwendung im Barock. Zu diesen Melodiestimmen trat meist der Generalbass, eine in einer besonderen Ziffernnotation aufgezeichnete, durchgehende und improvisatorische Begleitung durch Instrumente wie Laute oder Cembalo, häufig verstärkt durch ein weiteres Bassinstrument wie Cello oder seltener Fagott. Oft wurde diese polyphone Struktur imitatorisch komponiert, beispielsweise in Fugen.


Der gesamte Konzertsatz wurde durch das Eröffnungsmotiv melodisch wie rhythmisch geprägt; Ritornelle des Tutti gliederten den Gesamtablauf. Eine beständige Wiederholung rhythmischer und melodischer Kleinmotive (Motorik) führte zu einer festen Betonungsordnung und Akzentgliederung, zum Takt. Als charakteristische Schlusswendungen zur formalen Gliederung und Abgrenzung klarer Tonartenbereiche (Dur- und Moll-Tonarten) dienten Kadenzen.


Klangtheorie

Die Barockmusik wurde durch die Erkundung der Chromatik geprägt. Die gebräuchlichen Kirchentonarten wurden auf Dur und Moll beschränkt; mitteltönige und später auch temperierte Stimmungen kamen auf.


Bedeutende Vertreter

Frühbarock

Zu Beginn des Barock steht Claudio Monteverdi (1567–1643), der mit kompositionstechnischen Innovationen und der Entwicklung neuer Musikgattungen Pionierarbeit leistete. Er kombinierte als erster Komponist alle sich in der Spätrenaissance abzeichnenden neuen Entwicklungen. Heinrich Schütz (1585–1672) nahm sich den neuen italienischen Stil zum Vorbild und verband ihn mit den Ausdrucksformen der deutschen Sprache, was ihm als erstem deutschen Komponisten europäischen Ruf einbrachte.

Zusammen mit Schütz übte Jan Pieterszoon Sweelinck (1562–1621) großen Einfluss aus, der sich in den Werken ihrer Schüler teilweise niederschlug.

In der Folge wurden einige Instrumental- und Vokalformen unter anderem von Girolamo Frescobaldi (1583–1643), Giacomo Carissimi (1605–1674) und Johann Heinrich Schmelzer (1623–1680) maßgeblich geprägt.


Hochbarock

Das Musikleben des späten 17. Jahrhunderts wurde maßgeblich von Jean-Baptiste Lully (1632–1687) am Hofe Ludwigs XIV. geprägt. Die eingängige Musik Lullys, die vor allem die Tanzbegeisterung dieser Epoche befriedigte, prägte den „Barock“ in allen Alltagsbereichen. Als typisch französische musikalische Form sei die Suite genannt, große Bedeutung hatte auch das Ballett.

Im Gegensatz zum populären, tanzbetonten Stil Lullys stand im Hochbarock die eher intellektuelle und vielleicht „progressive“ italienische Musik, deren vornehmster Vertreter Arcangelo Corelli (1653–1713) war.

In Deutschland wurde die Musik vor allem von den Komponisten der norddeutschen Orgelschule geprägt, deren repräsentativster Vertreter Dietrich Buxtehude (1637–1707) war. Aus dem geistlichen Konzert entstand hier die Kantate.

In England entwickelte sich unter Henry Purcell und anderen ein ganz eigener Stil.


Spätbarock

Entwickelte sich im Hochbarock die Musik noch unabhängig in verschiedenen Regionen Europas, so zeichnete sich der Spätbarock durch eine grenzübergreifende Verbreitung der Stile aus. Im deutschen Raum leitete Georg Philipp Telemann (1681–1767) diese Entwicklung ein und wurde schließlich zur „Ikone“ unter den Tonkünstlern. Weitere berühmte Tonschöpfer des Spätbarock waren Carl Heinrich Graun und Johann Adolph Hasse. In Sachsen und Thüringen genoß auch Johann Sebastian Bach Berühmtheit.

Besonders im Spätbarock erfreuten sich Opern großer Beliebtheit. Neben Telemann war vor allem Georg Friedrich Händel (1685–1759) in diesem Bereich produktiv.

Mit dem Tod Telemanns und anderer letzter Vertreter der deutschen Barockmusik in den 1770er Jahren schwand auch die Popularität des empfindsamen oder „galanten“ Stils zugunsten der Wiener Klassik.


Wiederentdeckung

Nach dem Ende des Barockzeitalters wurde Barockmusik als veraltet betrachtet und nicht mehr aufgeführt, wodurch die Aufführungstradition unterbrochen wurde. Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts begann man sich erneut für die nun „Alten Meister“ zu interessieren; der Beweggrund dafür lag im Wesentlichen in der romantischen Hinwendung zu einer mythisch verklärten Vorzeit, aus der die eigene (auch nationale) Identität erklärt werden sollte.

Ein wichtiger Meilenstein zur Wiederentdeckung der Barockmusik war die Wiederaufführung von Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion 1829 durch Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Werk wurde einschneidenden Bearbeitungen (Instrumentierung, Kürzungen) unterzogen, da es in seiner Urgestalt als nicht zumutbar empfunden wurde. Zudem wurden einfach die aktuell üblichen Instrumente, Spieltechniken und Orchestergrößen eingesetzt. Diese „romantische“ Aufführungstradition lebte bis in die 1970er-Jahre (und in Einzelfällen bis heute) fort.


Heutige Sichtweise

Mit der Wiederentdeckung von Bachs Oeuvre wurde der Grundstein für die bis in die heutige Zeit reichende posthume Berühmtheit Bachs gelegt, dessen Werke immer noch als Inbegriff und teilweise Vollendung des Barock gelten. Jedoch war Bach zu Lebzeiten kaum außerhalb von Sachsen und Thüringen bekannt. Ab den 1950er Jahren tauchten immer mehr Notendrucke und Manuskripte anderer Tonschöpfer auf, die zudem die musikgeschichtliche Bedeutung Bachs relativieren. Dennoch verhalf vor allem das populäre Interesse an Bach, das durch eine große Auswahl an Tonträgern befriedigt wurde, zur Wiederentdeckung des Barock.

Die aktuelle Interpretation von Barockmusik wird im Wesentlichen von Musikern vorgenommen, die im Rahmen der so genannten historischen Aufführungspraxis die dieser Musik eigenen Mittel und Spielweisen einzusetzen versuchen. Jeder Interpret von Barockmusik ist sich heutzutage dieser Erkenntnisse bewusst, auch wenn im Einzelfall Kompromisse bezüglich der zur Anwendung kommenden Mittel eingegangen werden oder auch bewusst anders entschieden wird.

Mit der historischen Aufführungspraxis, die anfangs belächelt wurde und sich erst etwa in den 1970er Jahren durchsetzte, kam es auch zu einer zunehmenden Öffnung des barocken Repertoires. Heute werden weltweit ähnlich viele Tonträger der alten Musik – darunter insbesondere des Barock – wie der klassischen Musik nachfolgender Epochen verkauft.


Literatur

* Isolde Ahlgrimm: Zur heutigen Aufführungspraxis der Barockmusik, in: Organa austriaca, 2 (1979), S. 1–36
* Ingeborg Allihn (Hrsg.): Barockmusikführer. Instrumentalmusik 1550 - 1770, Metzler, Stuttgart 2001, ISBN 3-476-00979-3
* Robert Haas: De Musik des Barock, VG Athenaion, Potsdam, 1979, ISBN 3-7997-0728-X
* Hans J. Moser: Der klingende Grundstein. Das Schicksal der deutschen Barockmusik in zwölf Erzählungen, Essener Verlagsanstalt, Essen, 1937




Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Barockmusik aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.



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