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Die Laute

Kurze Geschichte der Laute

Die Laute ist eines der ältesten Musikinstrumente überhaupt. Bereits im 2.Jahrtausend vor Christus finden sich auf babylonisch-assyrischen Denkmälern Abbildungen eines langhalsigen und mit einem eiförmigen Kokosnuß- Schildkröten- oder Holzkorpus ausgestatteten Vorläuferinstruments der Laute - der "Tanbur".

Die unterschiedlichen Formen und Bauweisen dieser Vorläuferinstrumente legen die Vermutung nahe, dass die Laute von verschiedenen asiatischen Völkern gleichzeitig erfunden wurde.

Die Araber entwickelten den drei bis viersaitigen Tanbur weiter. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten treffen wir auf Abbildungen des fünfsaitigen "Ud" (Al-ud = Holz), die Laute der islamischen Völker, welcher der europäischen Laute ihren Namen gab:
deutsch:"Laute", engl.:"Lute", fr.:"Luth", it.:"Liuto", sp.:"Laud"

Mit den Mauren und Sarazenen gelangte die Laute in der ersten Hälfte des 8.Jahrhunderts nach Spanien und Sizilien und breitete sich in den folgenden Jahrhunderten in ganz Europa aus.

Die Entwicklung von Kompositions- und Spieltechnik führte dazu, dass sich verschiedene Formen der Laute ausprägten, so dass wir heute von einer Familie von Lauteninstrumenten unterschiedlicher Form und Funktion sprechen.

Innerhalb des reichhaltigen und äußerst farbigen Instrumentariums der Renaissance, bezog die Laute eine dominante Stellung. Als Solo- und Ensembleinstrument war sie Trägerin mehrstimmiger Kompositionen, Vermittlerin gehobener Tanz- und Gebrauchsmusik, sowie bevorzugtes Begleitinstrument für Gesang und Hausmusik.

Sie überragte alle anderen Instrumente an Vollkommenheit, so dass sie im 16.Jh. den stolzen Titel einer "regina omnium instrumentorum musicorum" (Königin aller Musikinstrumente) trug."

Die bedeutendsten Lautinisten der Renaissance waren u.a. der Engländer John Dowland (1563-1626), dem wir einen ungeheuren Schatz an bedeutenden Kompositionen verdanken, und der Italiener Francesco da Milano (1497-1543), genannt "il divino" der Göttliche - ein Attribut, das er mit keinem Geringeren als Michelangelo Buonarotti teilte.




Bauweise

Charakteristisch für alle Lauteninstrumente ist der birnenförmige, aus mehreren Spänen oder Rippen zusammengesetzte Korpus, ein am Sattel nahezu rechtwinklig abgeknickter Hals, und die Besaitung mit Doppelsaiten (Chören) die teils in Oktaven, teils im Einklang gestimmt werden.

Die älteste europäische Lautenform, die Renaissancelaute, war sechschörig. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Chöre hinzu die zunächst als normale, über dem Griffbrett verlaufende Saiten konzipiert waren (bis zu 10 Chören).





In der Barockzeit wurden zusätzlich weitere Chöre als Bordunsaiten, die nicht gegriffen wurden und neben dem Griffbrett verliefen, hinzugefügt. (Theorbe)














Die größte Lautenform, der Chitarrone, kann bis zu 1,60m lang sein. Nicht zuletzt diese sehr kompliziert handhabbaren und aufgrund des schlechten Saitenmaterials schwierig zu stimmenden Instrumente trugen dazu bei, dass in der Barockzeit die Laute aus der Mode kam und vom Cembalo verdrängt wurde.



Abbildungen historischer Lauteninstrumente großer Museen

Metropolitan Museum of Art:
Chitarrone (1725)

Mfa Boston:
Barocklaute Wien (1650)

Yale University Collection
Barocklaute Nürnberg (1726)




Musik

Die mit Abstand grösste Gruppe der in der Renaissance gebräuchlichen musikalischen Formen sind Tänze, aber auch selbstständige Instrumentalkompositionen und Intavolierungen (Übertragungen) von Vokalmusik sind gebräuchlich und bilden das Repertoir der Lautinisten.

1. Bearbeitungen (Intavolierungen) mehrstimmiger Vokalmusik
Air, Chanson, Kanzone, Romance, Villancico, Villanella

2. selbstständige Instrumentalkompositionen
Capriccio, Diferencia, Double, Fantasia, Intrada, Präludium, Ricercar, Rondeau,

3. Bearbeitungen von Tänzen und Tanzmelodien
Allemande, Ballo, Basse danse, Bergamesca, Bouree, Branle, Canarie, Chaconne, Courante, Folia, Galliard, Gavotte, Gigue, Haulberroys, Hupfauf, Loure, Menuett, Musette, Padoana, Passamezzo, Pastorale, Pavane, Rigaudon, Sarabande, Suite




Notation

Für die Aufzeichnung der Lautenmusik bediente man sich bereits damals einer der heutigen populären Gitarrentabulatur nicht unähnlichen Griffschrift, die nicht die Tonhöhe angibt, sondern die anzuschlagende Saite und die Stelle (Bund) die auf dem Griffbrett zu greifen ist, die Lautentabulatur.

Diese Notierungsweise war nach Ländern verschieden: man unterscheidet die deutsche, die italienische und die französische Tabulaturschrift. Letztere konnte sich schließlich durchsetzen und wird von Lautenisten bis heute benutzt: Die Saiten werden als waagerechte Linien dargestellt, die Griffbrettorte mit Buchstaben bezeichnet (a=Leersaite; b=1.Bund usw.)




Spieltechnik

Anfänglich wurden die Saiten der Laute genau wie die Saiten des arabischen Ud mit einem Plektrum, meist einem Vogelfederkiel angeschlagen. Erst um 1500 entwickelten die Lautenisten die Spieltechnik mit den Fingern, auch "zwicken" genannt, um mehrstimmige Musik besser bewältigen zu können.

Ein Saitenpaar bildet eine Einheit und wird zusammen gegriffen und angeschlagen. Bei einigen Komponisten werden die hohen Oktavsaiten allerdings auch gezielt für die Stimmführung verwendet (z.B. Albert de Rippe), bzw. es werden besondere Effekte durch das alleinige Greifen einer der beiden Saiten erzielt (Vincenzo Capirola).

Für schnelle Läufe bediente man sich des Wechselschlags zwischen Daumen und Zeigefinger, eine Technik, die dem Plektrumspiel ähnlich ist. Akkorde wurden mit Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger angeschlagen. Die Finger hielt man mehr oder weniger parallel zu den Saiten. Der kleine Finger diente als Stütze und wurde auf der Decke fixiert. Diese Technik wird auch "Daumen-innen-Technik" genannt, weil der Daumen in die Richtung des Handinneren schlägt.

Die lebhaften Bassführungen in der Musik der späteren Renaissance und in der Barockzeit führte spieltechnisch in eine andere Richtung: Man entwickelte für die rechte Hand die sogenannte "Daumen-außen-Technik". Die Hand wurde stärker gedreht, so dass die Finger beinahe in rechtem Winkel die Saiten berührten. Der Daumen spielte vor allem die Basssaiten an. Der kleine Finger wurde zumeist weiterhin als Stützfinger verwendet..




Literaturverzeichnis




Zeitgenössische Publikationen von Lautenmusik und Lehrwerken

Renaissancelaute

Francesco Spinaccino

Intabulatura de Lauto Libero Secondo (Venedig 1507)
ältester Tabulaturdruck (Petrucci)
   
Joan Ambrosio Dalza (1483-1533)
Intabulatura de Lauto Libero Quarto ( Venedig 1508)
Pavana alla venetiana

Arnolt Schlick (1455-1525)
Tabulaturen etlicher Lobgesang und Lidlein (Mainz 1512)

Bort. Tromboncino
Frottolo de Misser Bort. Tromboncino (1520-80)

Hans Judenkünig (1445-1526)
Ain schone kunstliche underweisung... (Wien 1523)
Das ander Priamel

Pierre Attaignant (ca.1500-1552)
Tres breve et familiere introduction…(Paris 1529)

Francesco da Milano (1497-1543)
7 Lautenbücher (Venedig 1536-1548)
Intavolatura de viola o vero lauto (Neapel 1536)
Intabulatura de Lauto di Francesco Milanese et M. Perino Fiorentino (Venedig 1547)
La Intabolatura de Lauto (Venedig 1563)

Hans Gerle (ca.1500-1570)
Musica und Tabulatur ... auch Lautten (Nürnberg 1546)
Ein neues künstliches Lautenbuch (1552)

Hans Newsiedler (1508-1563)
Ein Newgeordnet Künstlich Lautenbuch  (Nürnberg 1536)  
Ein newes Lautenbuchlein (Nürnberg 1540)
Hast du mich genummen, so mustu mich
Das Erste Buch (Nürnberg 1544)
Ein Niderlendisch Tentzlein

Vincenzo Capriola (um 1500)
Lautenbuch (ca 1517)

Jiulio Abudante
Intabulatura di Liuto (Venedig 1546)

Antonio Rotta
Intabulatura de Lauto (Venedig 1546)

Simon Ginzler
Intabolatura de lauto (Venedig 1547)

Rudolf Wyssenbach (Verleger)
Tabulaturbuch uff die Lutten… (Zürich 1550)

Albert de Rippe
Premier Livre de Tabulature de Leut (Paris 1552)

Valentini Bakfark (Greff Bakfarc) (1507-1576) 
Das Lautenbuch von Lyon (1553)

Joanne Matelart
Intavulatura de leuto (Rom 1559)

Jacomo Gorzanis
Intavolatura di Liuto (Triest 1561)

Vincenzo (Vincentio) Galilei (1520-1591)
(Vater des berühmten Galileo Galilei)
Libero d'involatura di liuto (Florenz 1584)
Fronimo (Venedig 1568)

Giulio Cesare Barbetta (1540-1603)
Il primo libro dell’intavolatura de liuto (Venedig 1569)
Intabolatura di liuto (Venedig 1558)

Albert Dlugoray (ca.1550-1619)
Thysius Lute Booke (Leiden ca.1600)

Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621)
Thysius Lute Booke (Leiden ca.1600)

John Dowland (1563-1626)
Livres d’aire (ab 1597)

Bernhard Jobin
Das Ander Buch (Strassburg 1573)

Fabritio Caroso
Il Ballarino di M. Fabritio Caroso da Sermoneta ( Venedig 1581)

Robert Johnson (ca.1583-1733)
Lautenbuch (London)

Gabriel Fallamero
Il primo libro de Intavolatura di Liuto (Venedig 1584)

Gio. Antonio Terzi
Intavolatura di Liutto (Venedig 1593)

William Barley
A new Book of Tabliture for the Orpharion (London 1596)

Simone Molinaro
Intavolatura di liuto di Simone Molinaro Genovese (Venedig 1599)

Francis Cutting (um 1600)
A new Book of Tabuliture / William Barley (London 1596)

Baruch Bulmann
Laurtenbuch (um 1600)

Cesare Negri
La musica della sonata con l’intavolatura di liuto (Milano 1602)

Jean Baptiste Besard (Giovanni Battista Besarde) (1567-1625)
Thesaurus Harmonicus (Köln 1603)
Branle gay
Novus Partus (Augsburg 1617) (Ioannes Baptista Bersardus)

Thomas Robinson
The Schoole of Musicks (1603)
Bony sweet boy

Joachim van den Hove
Delitiae Musica (Utrecht 1603)

Robert Dowland
Variete of Lute-Lessons (London 1610)

Georg Leopold Fuhrmann
Testudo Gallo-Germanica (Nürnberg 1615)

Ernst Schele
Lautenbuch (Hamburg 1616)

Michelangelo Galilei
Il Primo Libero d’Intabulatura di Liuto (München 1620)

Marin Mersenne (1588-1648)
Harmonie universelle (Paris 1636) / Musiktraktat

Bernardo Gianocelli
Il liuto Bernardo Gianoncelli detto il Bernardello (Venedig 1650)



Barocklaute


Johann Anton Logy (Losy) (1650-1721)
Tabulaturbuch für 5-chörige Laute
   
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Werke für Laute
Suite g-moll / BWV 995
Suite e-moll / BWV 996
Partita c-moll / BWV 997
Preludium, Fuge und Allegro Es-dur / BWV 998
Prelude c-moll / BWV 999
Fuge a-moll / BWV 1000 (Französische Tabulatur für Laute)
Partita E-dur / BWV 1006a

Sylvius Leopold Weiss (1685-1750)
Lautenmusik

David Keller
Auserlesene Lautenstücke... (Hamburg 1747)

Johann Gottfried Coradi
Neue Lautenstücke... (Frankfurt / Oder 1724)


Lautenbücher
Ochsenkhun’s Tabulaturbuch (1558)
William Ballet Lute Book (London)
Thysius Lute Booke (Leiden ca.1600)
The Weld Lute Book (ca.1600)
The Jane Pickering Lute Book (England 1616)
The Margaret Board Lute Book (ca.1620-35)
Mure of Rowallan’s Lute Book (Schottland)
The Sampson Lute Book
Gordo nof Straloch’s Lute Book (Schottland)



Neue Sammlungen und Lautenbücher


Lautenspieler des 16. Jahrhunderts
von Oscar Chilesotti
Forni Editore Bologna / 1969

Complete Works for Solo Lute
Robert Johnson (1583-1633)
Edited and transcribet by Albert Sundermann
Oxford University Press  / 1970

The Collected Lute Music of  John Dowland
transcribed and edited by Diana Poulton and Basil Lam
Faber Music Limited / 1974

Lauten-Buch 
(eines unbekannten deutschen Lautenspielers gegen Ende des 16. Jh.)
von Oscar Chilesotti
Arnaldo Forni Editore Bologna / 1974

Valentini Bakfark (1507-1576)
Opera Omnia / Das Lautenbuch von Lyon (1553)
Editio Musica Budapest / 1976

Diana Poulton / A Tutor for the Renaissance Lute
Schott-Verlag London / 1991




Lautinisten und Komponisten des 16. und 17.Jahrhunderts

Adriaensen, Emanuel (1554-1604) Niederlande

Attaingnant, Pierre (1494-1552) Frankreich

Bakfark, Valentin (1507-1576) Ungarn

Barberis, Melchior de (1545-? ) Italien

Bossinensis, Franciscus (1550? ) Italien

Byrd, William (1543-1623) England

Cabezon, Antonio de (1510-1566) Spanien

Capirola, Vincenzo (1474-1548?) Italien

Caroso, Fabrizzio (1527-1606) Italien

Cutting, Francis (1550? ) England

Dalza, Joan Ambrozio (1500? ) Italien

Dlugoraj, Adalbert (1550-1603) Polen

Dowland, John (1563-1626) England

Dowland, Robert (1591-1641) England

Farnaby, Giles (1563-1640) England

Ferrabosco, Alfonso I (1575-1628) Italien

Fuenllana, Miguel de (1500?-1579) Spanien

Galilei, Michelangelo (1575-1631) Italien

Galilei, Vincenzo (1520-1591) Italien

Garsi da Parma, Santino (1542-1604) Italien

Gaultier, Enemond (1575?-1651) Frankreich

Hassler, Hans Leo (1564-1612) Deutschland

Herold, Johann Theodor (1550-1603) Deutschland

Holborne, Anthony (1540?-1602) England

Hove, Joachim v d (1567-1620) Niederlande

Johnson, John (1540-1594) England

Johnson, Robert (1583-1633) England

Judenkonig, Hans (1450-1526) Deutschland

Kargel, Sixtus (1500?) Deutschland

Melii, Pietro Paulo (1579-?) Italien

Milan, Luis (1500-1561) Spanien

Milano, Francesco da (1497-1543) Italien

Molinaro, Simone (1565-1615) Italien

Morlaye, Guillaume (1515?-1565?) Frankreich

Morley, Thomas (1557-1602) England

Mudarra, Alonso de (1508-1580) Spanien

Narvaez, Luis de (1510-1555) Spanien

Negri, Cesare (1536-1604) Italien

Neusidler, Hans (1508-1563) Deutschland

Neusidler, Melchior (1531-1590) Deutschland

Padovano, Julio Cesare (1540?-1603?) Italien

Pisador, Diego (1509-1557) Spanien

Polak, Jakub (1545?-1605) Polen

Ponce, Juan (1480?-1521?) Spanien

Praetorius, Michael (1571-1621) Deutschland

Purcell Henry (1659-1695) England

Robinson, Thomas (1588-1610) England

Roy, Adrien le (1520-1598 ) Frankreich

Santa Maria, Fray Tomas de (1510-1570) Spanien

Schlick, Arnolt (1460?-1527?) Deutschland

Susato, Tylman (1500-1562) Deutschland

Valderrabano, Enriquez de (1500-1557) Spanien

Waissel, Mattheus (1540?-1602) Deutschland



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